Jahrgang 
74 (1971) / N.S. 25
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mehr als ein halbes Hundert davon angesammelt haben. Das genügtgerade nur zu einem Querschnitt, der aber immerhin so ziemlichalle österreichischen Länder und einige ehemals deutschsprachigeNachbarlandschaften umfaßt. Einen solchen Querschnitt scheintes sonst bisher kaum zu geben. Nur für Franken hat der bedeutendeBeobachter Konrad Kupfer 1954 Resultate seiner diesbezüglichenSammlung vorgelegt. Seine Ergebnisse entsprechen den an denStücken unseres Museums abgelesenen sehr weitgehend. Das heißtvermutlich, daß es zumindest im süddeutsch- österreichischen Raumim 17., 18. und frühen 19. Jahrhundert eine schlichte Volkskunstdes geschriebenen Gebetbuches gegeben hat, die nur bisher ebenkaum beobachtet worden ist.

Diese Hauptgruppe der Schrift- Volkskunst" läßt sich voneinigen anderen sinnvoll rahmen. Man kann dabei vom Erlernendes Alphabetes durch die Kinder ausgehen, denen wohl die Leb-zelten zugedacht waren, die mit den ABC- Modeln geprägt wurden.Das Alphabet war dem Volk freilich nicht nur in dieser schulge-mäßen Form bekannt, sondern auch in anderen, beispielsweise inreligiösen und in magischen Zusammenhängen. Die ganze Gruppeder hier anschließenden Buchstabensegen usw. wurde jedoch dies-mal nicht einbezogen. Nur die große Alphabet- Schüssel von 1691mag eventuell in diese Richtung verweisen. Daß die Mädchen sichmit dem Alphabet vertraut machen mußten, um künftighin dieWäsche mit Namen merken zu können, beweisen die verschiedenenMustertüchlein, von denen eine aus dem ganzen 19. Jahrhundertstammende Auswahl gezeigt wird.

Wenn die mit Alphabeten bestickten Mustertücher an demeinen Rand des Gebietes zu liegen scheinen, so markieren die buch-förmigen Volkskunstobjekte den anderen. Es hat geschnitzte Be-hälter gegeben, die sich ganz deutlich der Buchform bedienen, ohnedoch Buchhüllen zu sein. Aber es hat auch wirklich geschnitzteBuchhüllen gegeben, auch dafür hat sich ein schönes Beispiel inder Sammlung feststellen lassen, noch mit dem einstmals darinverwahrten Buch in sich. Die ebenfalls buchförmigen Wachsstöckedagegen haben nie Bücher in sich enthalten. Das wächserneGebetbuch, das gleichzeitig ein Wachsstock ist, den man freilich nieals solchen verwendet hat, das ist der andere Tribut, den die Leb-zelter und Wachszieher an das Gebiet von Schrift und Buch ent-richtet haben. Die oft vorzüglich bemalten oder mit Wachsreliefsversehenen Gebetbuch- Wachsstöcke sind Zeugnisse einer Volks-kunst in Wachs", die erst in den letzten Jahren etwas mehr Beach-tung gefunden hat.

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