Literaturangaben gerade aus den jüngeren volkskundlichen Arbeitenheraus gut vorstellen.
Nun ist nicht zu vergessen, daß dieser Band in einer Reihe erscheint,die eigentlich den Studenten der Germanistik zugedacht ist. Sie sollensich hier eine erste Einführung anlesen. Und um die Texte vor allemder frühen Neuzeit zu verstehen, ist eine kulturgeschichtliche Einführungvon stoffgesättigter Sachlichkeit auf jeden Fall nützlich, und geradediese bietet das Buch von Schwarz zweifellos. Es handelt sich um etwas,das wir im akademischen Unterricht als Ergänzung des Maturawissensbezeichnen und uns wünschen. Studenten, die eine solche allgemeineÜbersicht aufmerksam gelesen haben, werden zweifellos die Lehrmittelder Volkskunde, nicht zuletzt die musealen Sammlungen, besser alsbisher benützen können.Leopold Schmidt
Walter Borchers, Volkskunst in Westfalen(= Der Raum West-falen, Bd. IV, Wesenzüge seiner Kultur, Vierter Teil) Großformat,229 Seiten, dazu 14 vierfarbige und 502 schwarzweiße Abbildungenauf Tafeln. Münster in Westfalen 1970, Verlag Aschendorff. DM 67,50.Wie schon mehrfach zu betonen war, hebt sich Westfalen in den letz-ten Jahren mehr und mehr als ein Hort konservativer deutscher Volks-kunde ab. Was Martha Bringmeier mit ihrem Archiv, was Bruno Schiermit seinem Seminar hier geleistet haben, das hat schöne Früchte getra-gen. Die Museen des Landes haben in steigendem Ausmaß ihr Teil dazubeigetragen. Die religiöse Volkskunst ist in einem Ausmaß erforschtworden, wie es sonst kaum erreicht werden konnte. Das ist also derfruchtbare Nährboden für das Zustandekommen dieses überaus statt-lichen Bandes, den man mit Freude nunmehr anzeigen kann.
Walter Borchers aus Pommern, der einst mit der Volkskunst imWeizacker" eine bahnbrechende Leistung gesetzt hat, ist nach der Ver-treibung aus Stettin in Osnabrück seẞhaft geworden und hat das dortigeMuseum viele Jahre hindurch geleitet. Ein Museumsmann guter alterSchule, hat er in der neuen Heimat gesammelt und geforscht, die vielenkleinen Sammlungen aufgesucht, den Gang der Forschung in Münstermitvollzogen und die Ergebnisse in die ihm bekannten allgemeinerenRahmenforschungen auf dem Gebiet der deutschen Volkskunst inte-griert. Daher ist nun ein Werk entstanden, das wirklich den einstmalsso verdienstvollen Band„ Westfalen" in der Redslob- Serie der Deut-schen Volkskunst, den 1927 Rudolf Uebe vorlegen konnte, abzulösen ver-mag. Das ganze traditionelle Gebiet der prämaschinellen Volkskunstwird abgeschritten, von Haus und Hof, von den Torsäulen, über Holz,Metall, Keramik, Textil, Tracht und Schmuck und der Religiösen Volks-kunst bis zum handgeformten Brauchgebäck. Die sehr umfangreicheBestandaufnahme, eine Leistung für sich, wird durchwegs von umfang-reichen Literaturangaben und kleinen kritischen Hinweisen unterstützt.Es ist kein Schaubuch, wie heute mehr und mehr üblich, trotz seinervielen schönen Bilder, sondern ein Buch der fachlichen Sammlung undder kritischen Forschung. Gerade deshalb wird man sich vielleicht auchmit gewissen Einzelfeststellungen auseinanderzusetzen haben, beispiels-weise auf dem Gebiet der Möbelmalerei. Man wird aber mit Dank zurKenntnis nehmen, daß ein Forscher, der das Gebiet in großen undkleinen Bezügen durchgearbeitet hat, auch eine„ summa", eine Zusam-menstellung von Ergebnissen vornimmt, die allgemein bedeutsamerscheinen. Die bedachte Feststellung, daß nicht die politischen Gren-zen, wohl aber die Konfessionsgrenzen hier von Bedeutung waren und
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