Jahrgang 
74 (1971) / N.S. 25
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und vorgestrigen Redensarten steckengeblieben ist. Der Fachmann, derdas Buch kritisch liest, wird selbst bei völliger Unvoreingenommenheitund bei Ablehnung der heute modern werdenden Brauch- Abwertungwohl auf jeder Seite mindestens zwei Fragezeichen machen. Neben gutenoder doch gut ausgeschriebenen Beschreibungen stehen sofort Versuchevon Deutungen, die man schon vor zwanzig Jahren bei Gugitz nicht mehrlesen konnte. Aber Gugitz stand im hohen Alter und kam aus eineranderen Zeit, da ging die Kritik fehl, wenn sie ihn für die Fehldeutun-gen seiner um eine Generation älteren Gewährsmänner verantwortlichmachte. Heute sieht vieles ganz anders aus, und wenn man lesen muß,wie solche veraltete Deutungen heute noch oder wieder auf Brauchauf-führungen angewendet werden, die sich als Wiedereinführung der letztenJahrzehnte oder gar Jahre entpuppen, dann sieht man sich zum Protestgezwungen: Gute Photographen sollen photographieren, aber das Text-schreiben den Fachleuten überlassen.Leopold Schmidt

Dietrich W. H. Schwarz, Sachgüter und Lebensformen. Einfüh-rung in die materielle Kulturgeschichte des Mittelalters und derNeuzeit(= Grundlagen der Germanistik, Bd. 11) 244 Seiten und7 Bildtafeln. Berlin 1970, Erich Schmidt Verlag. DM 14,80.

In dem einst von Wolfgang Stammler gegründeten Aufriß derdeutschen Philologie" hat Schwarz( vom Schweizerischen Landes-museum in Zürich) die Sachgüter" dargestellt. Was er damals auf dasFormat eines Handbuch- Artikels zusammenpressen mußte, legt er nunhier in ungefähr gleicher Gliederung und mit gleicher Abgrenzung desSachgebietes in Buchform vor. Es handelt sich im wesentlichen um denStoff, der früher von der Deutschen Kulturgeschichte" betreut wurde,also jenem Fach im Sinn von Georg Steinhausen, Georg Grupp, Fried-rich Zöpfl( der hier und anderwärts leider nie genannt wird), das es niezu akademischer Geltung gebracht hat, das aber vor allem für diemuseale Sammlung und Aufbereitung des älteren Kulturgutes unent-

behrlich ist.

Das Gebiet Kulturgeschichte" läßt sich, rein stofflich gesehen, sehrschwer von der Sachvolkskunde abgrenzen. Schwarz weist auf Seite 7auch darauf hin: einerseits wird von der heutigen Volkskunde diegeschichtliche Dimension immer mehr vernachlässigt, und andererseitsbeschäftigt sie sich doch nur mit der Volks-, nicht mit der Hochkultur,mit dem Kollektiven, nicht dem Individuellen,-. Der erste Teil desSatzes stimmt freilich nicht, der zweite umschreibt die Anliegen derVolkskunde nur sehr einseitig. Aber Schwarz meint im weiteren begüti-gend, es sei ja kein Unglück, wenn sich auch die Volkskunde mit diesenDingen beschäftigte, denn einen Gegenstand von verschiedenen Stand-orten aus anzugehen und zu erhellen zu versuchen, ist bereichernd."Dem kann man ohne weiteres zustimmen, und wird sich also bei Kapi-teln über das Haus etwa( S. 22 ff.) oder über die Möbel( S. 44 ff.) immer-hin denken dürfen, daß die Kulturgeschichte von der Volkskunde schonmanches gelernt hat. Bei der Erörterung der Landwirtschaft und ihrenGeräten( S. 158 ff.) merkt man vielleicht noch weniger davon. Bei manchen Abschnitten, beispielsweise bei der Fischerei( S. 145) oder beimBergbau( S. 167) wird man sich schon wundern, daß sie gar so kurzweggekommen sind. Da wäre doch auch kulturgeschichtlich bedeutendmehr herauszuholen gewesen. Und bei diesen wie bei vielen anderenKapiteln nimmt man wohl die angegebene Literatur gern zur Kenntnis,könnte sich aber eine beträchtliche Vergrößerung des Umfanges dieser

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