damit, die Burgenbücher erfreuen sich offenbar eines noch immersteigenden Absatzes.
Wenn wir einen Band wie diesen aufschlagen, fragen wir uns selbst-verständlich, ob es auch volkskundliche Beobachtungen an Burgen gibt,ob man sich mit den damit verbundenen Sagen, Liedern, Redensartenusw. beschäftigt hat. Und siehe da: Es geschieht fast nie. Auch in demvorliegenden Buch werden sogar die Archivstücke des Landesarchiveszitiert, in denen die betreffende Burg vorkommt, im Gegensatz zu Dehiousw. sind die Literaturangaben bei jeder Burg vorhanden und sehr zubegrüßen. Aber es fehlt jeder Hinweis auf das Vorkommen der Burg-sagen bei Süß und bei Depiny usw., obwohl das nur mehr jeweils einehalbe Zeile mehr ausgemacht hätte. Kein Überblick über die Sagenusw.- Motive, die an oberösterreichischen Burgen haften. Die reinpositivistische Burgenforschung geht den gleichen Irrweg, den ja ver-schiedene andere Disziplinen auch gehen, und schauen an der wahrlichnicht geringen volkskundlichen Literatur einfach vorüber. ErnsthafterVorschlag: Der Verlag nehme sich doch zur Bearbeitung solcher Hand-bücher, wenn es die Autoren selbst vielleicht nicht tun wollen oderkönnen, eine volkskundlich geschulte Kraft und lasse sich entsprechendeKurztexte und Literaturhinweise erarbeiten. Man wird staunen, wasdabei alles herauskommen wird.Leopold Schmidt
Stadtbuch Kitzbühel. Schriftleitung Eduard Widmoser. Bd. III:Baugeschichte, Kunstgeschichte, Theatergeschichte, Schlösser. 580Seiten, zahlreiche Abb. im Text und auf Tafeln. Eigenverlag derStadtgemeinde Kitzbühel, 1970. S 150,-.
Kitzbühel, die bayernnahe Stadt in Nordtirol, hat im Lauf der letz-ten Jahre eine Heimatkunde bekommen, wie sie sonst kaum eine andereösterreichische Gemeinde dieser Größenordnung aufweisen kann. Diedrei wuchtigen Bände, ausgezeichnet gedruckt, vorzüglich und reichillustriert, bieten bei weitem mehr, als man sich für gewöhnlich untereinem Stadtbuch vorstellt. Dieser III. Band umfaßt die Kapitel: JohannaFelmayer, Die profane Baugeschichte der Stadt Kitzbühel; ErichEgg, Die Kunst in Kitzbühel; Klaus Kogler, Die Kitzbüheler Edel-sitze; Erich Egg, Die Kupferschmid- Stiftung; Norbert Hölzl, Thea-ter in Kitzbühel. Alle Darstellungen sind quellenmäßig gestützt, topo-graphisch gegliedert, bis in Einzelheiten hinein bildmäßig unterstützt.Eine„ Profane Baugeschichte“, wie die vorliegende, von Johanna Fel-mayer für Kitzbühel erarbeitete, wird man kaum anderswo schongesehen haben. Der Reichtum des Gebotenen, von den Grund- und Auf-rissen bis zu den Bildern der Türen, Tore, Kasten, Truhen, Besitzer-bildnissen, Schlössern, Hauszeichen ist ganz erstaunlich. Auch dasHerausarbeiten einer eigenen„ Kitzbüheler Kunst" in der Zeit von 1600bis 1800 durch Erich Egg wird man mit großem Interesse begrüßen,und für das bildliche Darbieten von so vielen religiösen Bildwerken derBarockzeit dankbar sein. Der besondere Beitrag von Erich Egg überdie Kupferschmied- Stiftung erschließt ein in Form eines Flügelaltaresgearbeitetes Epitaph von 1520, mit Ausgriffen zu anderen Werken desMeisters Hans Frosch, unter anderem dem sogenannten„ Roland" amHaller Rathaus, von 1522. Klaus Kogler schildert die schönen Edelsitzerund um Kitzbühel nicht nur mit betontem Eingehen auf ihr maleri-sches Äußere, sondern auch mit Bildhinweisen auf ihre Decken, Türen,Möbel usw.
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