Jahrgang 
74 (1971) / N.S. 25
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Ein volkskundlicher Beitragzur Flachsverarbeitung im Ötztal in Tirol

von Hans Haid- Längenfeld

Wie in vielen Gegenden Tirols stand auch im Ötztal der Flachs-bau und dessen Verarbeitung auf hoher Blüte. Erste Nachweiseüber Flachsbau im Ötztal können in den ältesten Güterbeschreibun-gen des Klosters Frauenchiemsee in Bayern und des SchlossesPetersberg bei Silz im Oberinntal aus den Jahren 1288, 1300, 1406und 1410 vermutet werden, da mehrere Höfe im Ötztal zu dieserZeit neben anderen Abgaben auch slegtuch abliefern mußten. Obdamit Leinwand oder Wollentuch( Loden) gemeint war, ist nichtganz klar. Die erste verläßlichste Quelle über den Flachsbau imÖtztal findet sich im Tiroler Landreim des Georg Rösch aus demJahre 1558, wo es in Vers 39 heißt: ,, Vil har wachset im Etztal".Mit dem Har" ist der Flachs gemeint, denn auch der Volksmundkennt nur die Bezeichnung Hoor. Das Hausbuch des ChristophRott, chiemseeischer Kammerer und Gastgeb in Ötz meldet imJahre 1619, daß von gewissen Besitzungen in Ötz ein Sack Har demlöblichen Gotshaus und Kloster Stambs jährlichen reichen undgeben müessen". In einer Aufstellung der Bezüge des Kuraten vonUmhausen vom Jahre 1638 bezog dieser an Feldzehent außer 120Star Getreide auch sieben Säcke Flachs. Daß der Ötztaler Haarbesonders gut war, beweist der Satz in einer Beschreibung desGerichtes Petersberg, zu dem das ganze Ötztal ja gehörte, aus demJahre 1788: Im Ötztal wird allgemein eine beträchtliche Massedes feinsten Flachses erzeugt und davon ein ansehnlicher Teil aufdie Bozner Märkte und in das römische Reich abgesetzt". Nochim Jahre 1931 erzielten die in einer Genossenschaft vereinigtenFlachsbauern von Umhausen mit ihrem Flachs bei einer Ausstel-lung in Wien den ersten Preis. Die Hochblüte des Flachsbaues warum diese Zeit aber schon vorbei, denn gegen Ende des 19. Jahrhun-derts begann der Flachsbau unrentabel zu werden, da der Marktmit billiger Fabriksware beliefert wurde.

In frühesten Zeiten wurde vermutlich im ganzen Ötztal nurweißer Haar erzeugt. Dann setzte sich zuerst in Sautens und Ötzdie Produktion von grauem Haar durch und gelangte über Umhau-

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