Jahrgang 
74 (1971) / N.S. 25
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nachzuweisen") und man neigt verschiedentlich zu der Annahme,daß damals eine Art Wanderhirtenkultur mit großen Herden diealpinen Weideräume ausfüllte 12), während die Täler noch ver-sumpft und unwegsam waren und Handelsstützpunkte nur in denPfahlbaudörfern des Alpenvorlandes bestanden. Diese Wander-hirtenkultur stellt also einen frühen Zweig der Transhumance dar,wie wir sie etwa noch in den Westalpen finden, wobei aber gleichfestgehalten sei, daß die Almwirtschaft zum Unterschied von derTranshumance durch Winterstallfütterung am Heimgut und Som-merweidegang auf der Alm ausgezeichnet ist. Die Almen sind daheran Klimazonen gebunden, in denen wegen der Schneelage einWinterweidegang nicht möglich ist. In der Latènezeit berichtenuns römische Schriftsteller über die Almwirtschaft der Räter undihre guten Käsesorten. Die Baiern und Alemannen übernahmen diesommerliche Weidewirtschaft aus der inneralpinen Retentions-kultur als fertige Betriebsform, wie die vielen Lehnwörter fürAlmgeräte und Almnamen zeigen 13). Im Hochmittelalter war esdann die große Binnenkolonisation, die mit der Schwaigensiedlungdie viehwirtschaftliche Erschließung der inneren Alpentäler ein-leitete, den Dauersiedlungsraum nach oben, den Almsiedlungsraumnach unten ausdehnte und so das durch Rodungsalmen geprägteBild der alpinen Kulturlandschaft schuf, das uns heute überallbegegnet. Allein in den Pinzgauer Schieferalpen liegen 90 Prozentder Almen im Bereich des natürlichen Waldes 14). Mit der Rechts-geschichte der Almen hat sich Nikolaus Graß erfolgreich be-schäftigt 15).

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Was nun die volkskundliche Betrachtung der Almen anlangt,so setzte sie eigentlich zwar kameralistisch und ökonomischgefärbt genau genommen schon vor der geographischen undhistorischen Almforschung ein. Der großartige Briefwechsel zwi-schen Karl Ehrenbert Freiherrn von Moll und Franz de PaulaSchrank aus den Jahren 1784/85 über die Almen des Ziller-tales, des Pinzgaues und Berchtesgadens mag hierfür Zeugnis ab-

11) Richard Pittioni, Urzeitliche Almwirtschaft.( Mitteilung derGeographischen Gesellschaft Wien, Bd. 74, 1931, S. 111 f.)

12) K. Gutzwiller, Struktur und Dynamik des neolithisch-bronzezeitlichen Wirtschaftslebens der Alpenländer, Zurzach( Schweiz)

1941.

13) Martin Hell, Ein Zeugnis für römische Almwirtschaft aus Hall-statt; Anfänge der Almwirtschaft.( Mitteilung aus dem Museum in Hall-statt Nr. 12 und Nr. 13.)

14) Gertrud Titze, Die Almen der Salzburger Schieferalpen(= Ab-handlung der Geographischen Gesellschaft Wien, Bd. 15, Heft 1)( 1943).15) Nikolaus Graß, Beiträge zur Rechtsgeschichte der Alpwirt-schaft(= Schlernschriften), Innsbruck 1948.