Jahrgang 
73 (1970) / N.S. 24
Einzelbild herunterladen
 
  

Albert Walzer, Baden- Württembergische Bauernmöbel. Teil II.Truhen- Bettladen- FußnetkästenKinderwiegen Behälter

-

-

für Trink- und Eßgeschirr- Küchenschränke- Tische- Sitzmöbel(= Der Museumsfreund. Aus Heimatmuseen und Sammlungen inBaden- Württemberg, Heft 10/11). 180 Seiten mit 210 Abb. Stutt-gart 1969. Württembergischer Museumsverband e. V. Stuttgart in Zu-sammenarbeit mit den badischen Heimatmuseen.

Die Möbelforschung, einmal auf die Bahn gebracht, gleitet nun schonfröhlich weiter. Das südwestdeutsche Gebiet, dessen Möbel wohl invielen kleinen Heimatmuseen gesammelt, aber nie zusammenfassenddargestellt wurden, hat durch Walzer einen sorgfältigen Auswerter ge-funden. Nach dem ersten Band seiner Dokumentation hier also derzweite, der die im Untertitel genannten Gruppen umfaßt. Das Materialist uns nicht ganz unbekannt, schon die älteren Volkskunst"-Bände habenmanches davon im Bilde vorgeführt. Aber es ist selbstverständlich mehrals dieses vorhanden, und es läßt sich deutlich in Gruppen ordnen. Er-freulicherweise werden auch schlichte Formen aufgenommen und ge-zeigt, und zu so mancher Gruppe auch historische Bildzeugnisse gestellt.Das ist vor allem für die Kenntnis der Stellung der Möbel im Raum, vorallem der Sitzmöbel um den Tisch, von Bedeutung. Da hat immer vielTradition geherrscht. Man vergleiche dazu, was Utz Jeggle in seinemmerkwürdigen Buch Judendörfer in Württemberg"( Tübingen 1969)über den Unterschied der Möbelstellung in jüdischen und in einheimi-schen Behausungen schreibt( S. 220): Nirgendwo wohnte man in derKüche. Das ist in jener Zeit auch bei den Bauern noch nicht üblich. Denn-noch gleicht das jüdische Wohnzimmer kaum der oberdeutschen Stube.Der Tisch steht nicht in der Ecke, er ist nach bürgerlichem Vorbild in derZimmermitte plaziert, usw." Die Urbanisierung, die bei den Juden dieserwürttembergischen Dörfer offenbar früher einsetzte als bei ihren hei-mischen Nachbarn, hat sich dann allgemein ausgebreitet, und dem alten Bauernmöbel" den Weg zum Händler, aber auch zum Museum geebenet.Und von dorther erfahren wir nun wieder darüber.

Leopold Schmidt

Kontinuität? Geschichtlichkeit und Dauer als volkskundliches Problem.Herausgegeben von Hermann Bausinger und Wolfgang Brück-ner. 187 Seiten, 8 Abb. Berlin 1969, Erich Schmidt Verlag.

Ein merkwürdiges Buch, dessen Sinn und Zweck nicht recht ein-zusehen ist. Gewiß, man kann von der Widmungsseite ablesen, daß derBand dem großen Förderer der historischen Volkskunde in Bayern,Hans Moser, zum 65. Geburtstag gewidmet ist. Moser hat als fleißigerForscher und bedeutender Anreger durchaus eine Festschrift verdient.Man hätte ihm nur eine andere gewünscht als die nun hier vorliegende,die wohl eher einem gewissen Durchsetzungswillen der Herausgeberzuzuschreiben ist.

Vom Titel her verfolgt den Leser ein gewisses Unbehagen, Konti-nuität mit Fragezeichen ist weder mit der Geschichtlichkeit", noch mitder Dauer" identisch, also den beiden im Untertitel genannten Begrif-fen. Kontinuität" war ein Schlagwort um 1938/40, Otto Höfler hattedamals aus Anregungen seiner großen Lehrer Alphons Dopsch und RudolfMuch eine heuristische Waffe zu schmieden versucht. Darüber haben wiruns, Hans Moser saß neben mir, als Höfler seine Argumente vortrug, in

87