erst im vierten Band erfolgen, darauf wird man wohl noch einige Zeitwarten müssen.
Angesichts des offenbar vorzüglich gearbeiteten ersten Bandes wirdman aber jetzt schon dem Werk gute Fortführung und rasche Vollendungwünschen dürfen.
Leopold Schmidt
Leopold Kretzenbacher, Kynokephale Dämonen südosteuro-päischer Volksdichtung. Vergleichende Studien zu Mythen, Sagen,Maskenbräuchen um Kynokephaloi, Werwölfe und südslawischePesoglavci(= Beiträge zur Kenntnis Südosteuropas und des NahenOrients Glossary ::: show glossary-entry Orients, Bd. V). 145 Seiten, 10 Abb. im Text und 7 Kunstdrucktafeln.München 1968, Verlag Dr. Rudolf Trofenik. DM 48,-.
Vorstellungen von menschengestaltigen, aber tierköpfigen Glaubens-gestalten, Götter und Dämonen, sind alt, im Vorderen Orient Glossary ::: show glossary-entry Orient bis in dieSteinzeit zu verfolgen. Eindrücke von diesen ältesten belegbaren Misch-wesen haben wohl alle Nachbarn aufgenommen und zu eigenen Glaubens-zügen werden lassen. Es sind Maskierungen ebenso wie Spottnamen,Greuelgeschichten wie Heiligenlegenden daraus geworden. An manchenStellen und zu manchen Zeiten haben sich die Vorstellungen verdichtet,sind die Geschichten über die fürchterlichen Nachbarn, die Hundsköpfehätten, stärker kolportiert worden als andernorts.
Kretzenbacher hat sich mit dem ganzen Komplex dieser in sichungleichartigen Vorstellungen, dieser aber mitunter auch motivgleichenSagen und Verbildlichungen jahrzehntelang beschäftigt. Die literarischeGestaltung der Motive in der slovenischen und kroatischen Nachbarschafthat ihn schon früh beeindruckt, von dort ließen sich die Fäden zu denantiken Kynokephalen ebenso wie zu den langobardischen Weihekrie-gern ziehen, nordische und baltische Traditionen erwiesen sich als inirgendeiner Form mit südöstlichen Überlieferungen verwandt. Die öst-lichen Heiligenlegenden, nicht zuletzt Text- und Bildüberlieferungenvom hundsköpfigen hl. Christophorus erwiesen, in welcher Form auchdas Christentum mitunter an solchen Traditionen Anteil haben konnte.Die Westkirche hat sie nicht integriert, und wo ältere Ikonographen mit-unter einen hundsköpfigen Christophorus zu erblicken glaubten, beispiels-weise auf einem Glasgemälde der Kathedrale von Angers, da hat Kretzen-bacher feststellen können, daß dem nicht so sei( S. 65).
So zeigt das schmale Buch, das zunächst viele Stoffbereiche zu um-fassen scheint, die miteinander kaum etwas zu tun haben, wie durcheine intensive vergleichende Betrachtung derartige alte motivgeschicht-liche und ikonographische Fragen noch wesentlich geklärt werdenkönnen. Es gehört zu den großen Gewinsten einer derartigen kritischeingestellten Nachprüfarbeit, daß das Material in unaufhörlicher Siebungnunmehr als geläutert angesehen werden kann. Auch das von RudolfMuch einst und dann von Otto Höfler zusammengetragene Material überdie hunds- und wolfsköpfischen Germanenkrieger wird nicht nur heran-gezogen, sondern auch kritisch gemustert. Was man sich früher dabeian„ totemistischen" Prägungen vorgestellt haben mag, erscheint nun-mehr weit stärker dem Bereich der Volkserzählung, der Anekdote, demNachbarnschimpf zugeordnet. Es bleibt selbstverständlich noch genugan kaum lösbaren Resten, derartige alte Komplexe sind nun einmal nichtdurch eine einzelne oder gar einseitige Interpretation aufzulösen.
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