Zwei Wilddarstellungen auf Gefäßbödenaus dem Liesingtal, Steiermark
( mit 3 Abbildungen)
Von Wolfgang Haid
Im Sommer 1966 wurde in der Nähe der Adelherrnhube, demhöchstgelegenen Gehöft am Übergang des Leimsgrabens in denPreßnitzgraben, somit einer Kurzverbindung zwischen dem Liesing-und Murtal, in einer Seehöhe von etwa 1100 m eine Böschung ab-gegraben und dabei ein großer Scherbenhaufen an das Tageslichtgebracht. Es dürfte sich um einen Abfallhaufen gehandelt haben,der zwei bedeutende Keramikreste barg. Neben diesen Keramikenfanden sich auch kleine Fläschchen und der Bodenteil einer großenmundgeblasenen Flasche aus Glas, das gute Grüntönung aufweist.Bemerkenswert aber sind die Bodenteile zweier großer Tontöpfe,von denen einer zum Teil zusammengesetzt werden konnte. Dieserwäre in die Reihe des Schwarzhafnergeschirres zu stellen, er weistzwei ornamentierte Bandreihen auf, die eine Punzenverzierung tra-gen. Die Drehscheibenarbeit ist bei allen Scherben einwandfreinachzuweisen, ihre Farbe wechselt von Hellbraunrot zu Dunkel-braun. Der Bodenteil dieses Topfes trägt als Besonderheit das Re-lief eines Steinbockes( Abb. 1). Vom zweiten Topf hat sich nur derBodenteil erhalten, der mit einem linear gezeichneten springendenund verhoffenden Hirsch gekennzeichnet ist( Abb. 2). Diesem sprin-genden Hirsch liegt eine besonders gute Tierbeobachtung zugrunde,wie auch beide Tiere, der Steinbock und der Hirsch einwandfreidurch die Veterinärärzte Univ.- Prof. Dr. Dr. Brüggemann( Mün-chen), Dr. Dr. Otto Gebauer( Leoben) und Landestierarzt DoktorHubert Köhler( St. Michael i. O.) als solche bestimmt werden konn-ten. Der Steinbock ist in der Steiermark, vor allem im Fundgebietnie bodenständig gewesen, auch zur Zeit der Entstehung der Kera-miken nicht, die ihrem Habitus entsprechend als frühneuzeitlichanzusprechen sind. Die Volkskunde kennt wohl auf Möbelmalereienund auch auf Bienenstockbrettchen in den variabelsten Formen denspringenden Hirsch, doch ist der Steinbock hier nirgends anzutref-fen, beide Wildarten aber auf Keramikböden nicht. Da es sich bei
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