In schwarze, mit Eisen beschlagene Koffer aus Holz verpackt,wurde die Ware, Wachs und Lebzelten, dann mit Pferdewagen aufdie verschiedenen Märkte der Umgebung befördert, nachdem manmeistens schon am Vortage das zerlegbare„ Standl“ vorausgeschickthatte. War dieses vor der Kirche oder vor einem Wirtshause auf-geschlagen, so breitete die„ Feilhaberin", die Verkäuferin, blaueLeinentücher über die Bretter und legte die Waren aus. Weißeund gelbe Kerzen, buntbossierte Wachsstöcke und braune Leb-zelten mögen darauf ein zum Kauf verlockendes Bild gebotenhaben.
Über alle diese Fahrten auf Kirtage und Viehmärkte gibt unsnun das Marktbuch Johann Wiedorns, das vom Jubeljahr desMariahilferberges 1868 bis Ende 1897 reicht, gewissenhaft Nach-richt. Zunächst beginnt jedes Verrechnungsjahr mit dem„ Kirta“ inGutenstein zu Georgi( 24. April), für unseren Markt schon immerein bedeutsamer Tag, an dem vor Zeiten das Banntaiding stattge-funden hat. Ab 1883 wird das Verrechnungsjahr zu Neujahr abge-schlossen.
Nach dem Datum, dem Ort des Verkaufes, der Bezeichnung desFeiertages und einer Bemerkung über das Wetter wird stets zuerstder Absatz an Met notiert, der bis 1882 in„ Seidl, Krügl, Maß undEimer" gerechnet wird, wobei auch öfters von einer„ Pitsche Met“die Rede ist. Erst ab 1883 wird Met in Litern gemessen, eine klei-nere Einheit bildet nun die„ Flasche Met“, das„ Seidl“ bleibt je-doch auch weiter im Sprachgebrauch erhalten. Ein Liter Metkostete 24 Kreuzer. Er wurde in„ Faßln“ befördert. Der Absatz anMet war stark vom Wetter abhängig. So wurden an einem heißenPfingstsonntag in Miesenbach, da einige Wirtshäuser Musik hatten,164 Liter verkauft( 1884). Auch unter den Wirten waren ständigeAbnehmer, wie z. B. Schwarzenbacher in Schwarzau im Gebirge.Hatte Wiedorns Konkurrent sauren Met und daher wenig Geschäftgemacht, so vermerkt unser Wachszieher dies nicht ohne kleineSchadenfreude. Als er aber selbst 1882 zu Georgi aus„ ledigemSyrup" statt aus Honig Met erzeugen mußte, da er ihm ausgegangenwar, bezeichnet er diesen selbst als nicht gut, weil„ brandig".
Während über den Einkauf des Honigs nie etwas zu lesen steht,erfährt man, daß das gelbe Bienenwachs auf den Jahrmärkten ein-gekauft oder oft im Tauschwege gegen Wachswaren eingehandeltwurde. Der Preis dieses wichtigen Rohstoffes steigt in den 30 Jah-ren vor der Jahrhundertwende nur schwach an.
An Wachswaren werden„ Kerzl, Büchl, Stöckl und Kranzl" er-wähnt.„ Kerzl“ gab es zu 4, 6, 10, 20, 25, 30, 40 und 50 Kreuzer, jenach ihrer Größe und ob sie gelb, weiß oder„ gezwickt" waren.
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