Das Marktbuch des Gutensteiner Wachsziehers
Johann Wiedorn
Von Hiltraud Ast
Trotz der Nähe des Wallfahrtsortes Mariahilf erscheint imMarkte Gutenstein im südlichen Niederösterreich erst im Jahre1826 ein Wachszieher. Es war Josef Wiedorn, gebürtig aus Biskauin Preußisch- Schlesien, der das Haus Nr. 13 erwarb und dort sein„ Gewölb“ aufmachte. Als er 25 Jahre später starb, hatte er dreiGattinnen überlebt. Die vierte, Magdalena Keller, heiratete 1859den ehemaligen Gesellen ihres Mannes, Johann Reichel, der mit ihrzwei Jahre später in das neuerbaute Haus Nr. 80 übersiedelte unddort bis 1880 ebenfalls das Wachsziehergewerbe ausübte. Er standin scharfer Konkurrenz mit dem Neffen seines einstigen Meisters,Johann Wiedorn, geb. 1842, gest. 1920, der das Haus Nr. 13von seinem Onkel ererbt und im Gegensatz zu seinem Vater, einemLederer, ebenfalls das Wachsziehergewerbe erlernt hatte. DiesesHandwerk hat Johann Wiedorn seit Anfang der sechziger Jahremit Fleiß und Erfolg betrieben. Über seine Strebsamkeit und sei-nen guten Geschäftssinn gibt uns sein handgeschriebenes„ Markt-buch" Aufschluß, das durch die Zuckerbäckerfamilie Postenrieder,die Pächter des Hauses Nr. 13 nach Wiedorns Tod, in den Besitzvon Frau Anna Zwierschütz gelangte. Diese stellte es freundlicher-weise zur Verfügung.
Noch gibt es einige alte Gutensteiner, die sich gut erinnernkönnen, wie am warm geheizten Stubenofen im Hause des„ Wachs-lers" Kerzen erzeugt wurden. In einem großen Bottich stand eindrehbares Gestell, von dem die Dochte, das eine Ende über kleineHölzchen gewickelt, niederhingen. Unter ständigem, langsamemDrehen wurde nun aus einem„ Häferl“ Wachs über die Dochte ge-gossen, so daß sich eine Wachsschichte nach der anderen an ihnenanlegte, während das zum Teil abtropfende Wachs im Bottich ge-sammelt und nach Wiedererwärmung neuerlich verwendet wurde.An der hohen Mauer im Hofe des Wachszieherhauses, die den Süd-hang des Schloßberges abstützt, hatte Wiedorn seine„ Wachsblach“,wo er die gelben Wachswaren bleichte.
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