Jahrgang 
72 (1969) / N.S. 23
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von einer solchen Warte aus gesehen, eigentlich Vorstadien vor der vollenEntfaltung seiner wissenschaftlichen Persönlichkeit. Erst die DeutscheGrammatik" von 1819 hat ihn als Großmeister eines neuen sprachwissen-schaftlichen Denkens legitimiert. Was damals und danach auf den Spurenseiner Jugendarbeiten weiterwanderte, war damit für ihn überholt undüberwunden. Von dieser Warte aus scheinen die Arbeiten der Frühzeiteigentlich in einem anderen Lichte als bisher, wenngleich sich auch anihnen der Weg des Sicherarbeitens einer kritischen Einstellung, vor allemeiner textkritischen Haltung nachweisen läßt, der Jacob Grimm immermehr als Ideal erscheinen mußte. Der Weg dazu war menschlich schwie-rig zu durchwandern, aus allen Briefwechseln geht hervor, wie er uner-müdlich mit seinem Bruder Wilhelm wie mit seinen ältesten Freunden,vor allem mit Arnim, immer wieder darüber diskutierte. Alle dieseDinge sind in dem vorliegenden Band sehr kenntnisreich heraus-gearbeitet.Leopold Schmidt

Volksmusikinstrumente der Balkanländer. Katalog(= Sonderausstel-lungsreihe Aus der Volkskultur der Ost- und Südostgebiete derehemaligen Donaumonarchie, Nr. 1) Wien 1969, Selbstverlag desÖsterreichischen Museums für Volkskunde. Heft mit 51 S. S 10,-.Mit dem sicheren Gespür, was eben in der Vergleichenden Volks-kunde als Forschungsaufgabe in Arbeit steht oder wo sie erfolgver-heißend angeregt werden könnte, aber auch mit der beneidenswertenMöglichkeit, aus nahezu unerschöpflichem, der Öffentlichkeit so gutwie unbekanntem Sammelgut von Generationen das jeweils Beste,Kennzeichnendste auswählen und ausstellen zu können, setzt dasÖsterreichische Museum für Volkskunde in Wien seine mühevoll- flei-Bige( leider nur selten auch gewürdigte) Tätigkeit fort. Nach so vielenSonderausstellungen bisher schon wieder eine neue Reihe. Diesmalwieder aus den Ost- und Südost- Beständen", die Adolf Mais betreutund in manchen vorbildlichen Einzelfällen( man denke an die Volks-kunst der Ostkirche, Wien, Graz, Klagenfurt 1961-62!) thematischauswählt, in einem wissenschaftlichen Katalog mit knappen Erläute-rungen vorstellt und zusamt dem solcherart Vorbereiteten eine Stufezum ersehnten und lang schon notwendigen Bau einer eigenen Schau-sammlung des Ost- und Südostbereiches werden läßt. Hier sind es dieMusikinstrumente, die im Zusammenhang einer derzeit internationalorganisierten und in den sogenannten Ostblockstaaten, mehr vielleichtnoch im modernen Jugoslawien, betriebenen Forschung zur Musik-Ethnographie( Musik- Folklore) besonderes Interesse verdienen. Dieszumal schon deswegen, weil die Bedeutung gerade des Südostens fürdas Entstehen, Vermitteln und Ausgestalten der so verschiedenartigenMusikinstrumente längst erkannt, aber nicht allgemein bekannt ist. Essind im wesentlichen die Saiten- und die Blasinstrumente, die in derAusstellung vertreten sind, indessen die Schlaggeräte( Tschinellen,Trommeln, andere Membraphone) ausgeklammert bleiben. Jedem Süd-ost- Erfahrenen ist es klar, daß das Chordophon gusle"( das Wort istim Serbokroatischen ein plurale tantum!), die epische Geige", in ihrerBegleitfunktion Instrument und Waffe" zugleich, so wie sie zum Symboldes heldischen Widerstandes in den sbkr. junačke pesme"( Heldenlieder,-epen) bis in die Partisanenzeit des letztvergangenen Krieges hatte werdenkönnen, im Vordergrunde stehen muß. Ihr mannigfacher Zierat führt Maiszum Versuch einer Zuordnung im vorosmanischen Bereich( S. 9). Erst nachder Prunksammlung von 29 gusle reihen sich die dreisaitige lirica, die

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