Jahrgang 
72 (1969) / N.S. 23
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gewissen Seitenblick auf den Fremdenverkehr. Aber immerhin gibt esvor allem ältere Frauen, die das überlieferte Gewand noch mit Selbst-verständlichkeit alltäglich tragen. In einzelnen Landschaften hat sichdas Bedürfnis nach einer Anpassung der Tracht an die heutigen Ver-hältnisse eingestellt und damit wohl auch das eingesetzt, was wir etwain Österreich mit nicht geringem Erfolg als Trachtenerneuerung"durchgeführt sehen. Der Verfasser des Buches ist sich des zweifelhaftenWertes einer Kostümierung" in Tracht als reines Werbemittel wohlbewußt. Er geht dem Rückgang der Trachten um die Jahrhundertwendeund seinen Hintergründen nach, die er vor allem in einer Lockerungdes sozialen Gefüges und in der räumlichen und geistigen Landfluchtjener Jahrzehnte findet.

Der einleitende Abschnitt über die Geschichte der Tracht ist nichtnur wegen seiner Knappheit ungenügend und unbefriedigend. Und dieVolkstracht als Ausdruckmittel für eigengeartetes Volkstum zu klassi-fizieren, erinnert uns etwas peinlich an eine glorreiche" Vergangenheit,durch deren Mühlen auch unser Fach nicht unbeschadet gedreht wurde.Daneben sind die beiden Abschnitte über Männertrachten undFrauentrachten als kurzer Abriß über Besonderheiten und Gemeinsam-keiten der Schwarzwälder Trachten mit deren Formenreichtum in denKopfbedeckungen und dem Hinweis auf die Erzeugung von Trachtenund Trachtenzubehör, positiv zu werten. Im ganzen also ein erfreulichesBuch in der Flut von Bildbänden und Büchlein, die vor allem mit demFremdengast als Abnehmer rechnen.

Maria Kundegraber

Irmgard Simon, Hamaland- Museum Vreden. KulturgeschichtlicheZeugnisse aus Stadt und Land. 100 Seiten, mit zahlreichen Abb.Vreden in Westfalen, 1969, Selbstverlag der Stadt Vreden.

Westfalen hat in den letzten Jahren volkskundlich sehr viel ge-leistet. Der Zuwachs an guter, oft vorzüglicher Literatur auf den ver-schiedensten Gebieten ist kaum zu überblicken. Von Münster aus sindSachvolkskunde wie religiöse Volkskunde offenbar maßgebend befruch-tet worden.

Hier gliedert sich der soeben erschienene Führer durch das neuaufgestellte Heimatmuseum der Stadt Vreden sehr glücklich ein. Nacheinem Überblick über Geschichte und Bestand des Museums, das sowohlfür die Stadt Vreden wie das umliegende Hamaland dasein wird, findetsich Eine Auswahl", die mit schönen Bildern die verschiedenstenObjekte nicht nur der Kunst- und Kulturgeschichte, sondern eben auchder Volkskunde darbietet: Kesselhaken und Ofenplatte, Kucheneisen,Längsschwingerwiege, weitere gute Möbel, aber auch Säekorb undKornbehälter( Sumber), Bienenkorb, und nicht zuletzt das Holzschuh-machergerät; Irmgard Simon hat darüber ja einen Dokumentarfilmgedreht. Es handelt sich offenbar um einen gediegenen Ansatz, demweiterer Ausbau und Erfolg zu wünschen ist.

Leopold Schmidt

Augustin Wibbelt, Der versunkene Garten. Lebens- Erinnerungen.Textkritisch durchgesehen und mit Anmerkungen versehen vonRainer Schepper. 3. Auflage. 293 Seiten, 1 Porträt. Münster inWestfalen 1969, Verlag Regensburg. DM 14,80.

Die Erinnerungen des westfälischen Priesters und katholischenSchriftstellers Augustin Wibbelt( 1862-1947) sind ein wahrer Schatz für

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