werden zudem andere Fragenkomplexe viruleni als die vom Verfasserherausgegriffenen. So manche Verallgemeinerung entspricht unsererEinstellung überhaupt nicht mehr. Wenn es z. B. S. 5 heißt:„ Wenn mandie Werke der Volkskunst anblickt, fragt man im allgemeinen nicht wei-ter nach den Ursachen, die zur Entstehung dieser oder jener Form ge-führt haben, dann kann es sich nur um eine rhetorische Frage han-deln, denn auch Jackowski fragt im folgenden doch mehrfach nach sol-chen Ursachen. Und vollends die anschließende Behauptung„ Ja, unsinteressiert nicht einmal besonders, welche Funktion diese Werke inihrem Milieu und ihrer Zeit wirklich hatten", stimmt nicht im mindesten,und Jackowski selbst muß die Frage nach der Funktion im weiteren oftgenug sowohl stellen wie auch beantworten. Freilich läßt er sich trotzeiner zweifellos vorhandenen positiven Einstellung zu seiner oft so ärm-lich und ungekonnt anmutenden Volkskunst noch zu Vergleichen ver-führen, die uns heute nichts mehr besagen. Ein Satz wie( S. 9)„ Über-raschend sind Ähnlichkeiten mit der mexikanischen( Scherenschnitte,Ornamentik, Koloristik) oder japanischen Volkskunst( Gewebe, Keramik,Bauwesen) zeigt die Abseitsposition der polnischen Volkskunstfor-schung. Mit solchen haltlosen, ahistorischen Hinweisen stellt sich Jackow-ski außerhalb der wirklichen Volkskunstforschung von heute, solcheSätze kommen bei kenntnislosen Zeitungsschreibern vor, sollten aber inFachwerken( zumal in deutscher Sprache) nicht mehr auftauchen. Ähnlichsteht es mit einem Satz wie dem folgenden( S. 11):„ Aus dem heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischenKult lassen sich die wächsernen Votivfiguren erklären, die noch bis vorkurzem hergestellt wurden." Man muß schließlich nicht knapp östlichvon Mitteleuropa die gesamte neuere religiöse Volkskunde verschlafen.Wie gesagt, wir sind überzeugt davon, daß Jackowski in gewissenGrenzen seinen Stoff kennt und ihn mit Liebe darbietet. Der Bildteilbeweist, daß die Vielfalt und Vielschichtigkeit des Stoffes erkannt wurdeund nunmehr auch darzustellen versucht wird. Daß innerhalb dieserVielschichtigkeit das Element der deutschen Anregungen so gut wie garnicht berücksichtigt erscheint. muß auf das Konto der Zeitgeschichte ge-schrieben werden. Ein einziger Satz des Einleitungsessays sagt immer-hin( S. 15): die West- und Nordgebiete mit ihrer besonderen Ge-schichte und Kulturtradition, die gewisse Elemente mit der deutschenVolkskunst gemein hat." Von den einstmals deutschen Städten, von dendeutschen Sprachinseln( mit insgesamt 2 Millionen Deutscher), von allendiesen offenen Problemen ist nicht die Rede. Da aber Volkskunde unteranderem auch eine historische Disziplin ist, kann man darüber nicht sohinweggehen.Leopold Schmidt
ona Tombor, Magyarországi festett famennyezetek és rokonem-léket a XV- XIX. századból. 216 Seiten. 56 Tafeln mit Abb. Buda-pest 1968. Akadémiai Kiadó. Ft. 66,-.
Vor kurzem( ÖZV XXII/ 71, 1968, S. 55 f.) war auf das vorzüglicheBüchlein von Ilona Tombor über die Schreiner- Malereien in Ungarnhinzuweisen. Das Büchlein war in deutscher Sprache geschrieben. Hierliegt nunmehr die große Ausfertigung der gleichen Arbeit vor, aber zurGänze ungarisch gehalten, selbst ohne Auszug, den freilich das besagteBüchlein eben darstellt. So wird nur der engste Fachmann auf dieseschöne Publikation mit den überaus zahlreichen guten Abbildungenzurückgreifen. Besonders wichtig erscheint die alphabetische Ortslistemit allen bisher bekanntgewordenen Denkmälern dieser Kirchendecken-usw.-Malerei. Aufschlußreiche Strichzeichnungen im Text erläutern die
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