Jahrgang 
72 (1969) / N.S. 23
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Hahnes erhalten. Er spielt auch eine große Rolle bei den Brauch-tümern um Hochzeit, Feste des Jahreslaufes wie Neujahr, Ostern,Pfingsten und bei anderen Höhepunkten des naturverbundenenLebens 5). Als sichtbaren Ausdruck dieser Beziehungen können dieFesttagsgebäcke in Form eines Hahnes, einer Henne und andererVogelgestalten angesehen werden 6). Der Hahn ist auch ein be-liebter Preis bei volkstümlichen Geschicklichkeitsspielen derJugend.

Und wer einmal Hahn und Henne eifrig nach Körnern suchendbeobachtet hat, wird verstehen, daß gerade dieser Vogel als Sym-bol für die erwünschte Mehrung eines anvertrauten Gutes ver-wendet wird. In diesem Sinne ist er auch in Märchen, Sagen undMythen vieler Völker eingegangen und gilt dort als Behälter wert-voller Güter 7).

Angefangen von den Hühnern, die goldene Eier legen, odervon der goldenen Henne mit den 12 Kücken, reicht dieses Motivbis hinüber in die Südsee Es wohnen zwei Hähne auf den beidenentgegengesetzten Bergen des Horizontes. Im Osten erhebt sich derBerg des armen Hahnes, im Westen steht der des reichen Hahnes,der einen Menschenkopf hat und Gold ausbrütet, so daß der Bergunter ihm immer reicher wird"( indonesisches Märchen) 8). Wiestark solche alte Überlieferungen nachwirken, beweist eine bron-zene Sparbüchse im Museum der Ersten österreichischen Spar-Casse, die aus der Barockzeit stammt. Sie hat die Form eines Krüg-leins, dessen Deckel als Hahnenkopf ausgebildet ist und dessenVorderseite ein menschliches Gesicht zeigt( siehe Abbildung 2).

Durch sein begeistertes Begrüßen des jungen Tages und alsKünder des Lichtes, steht der Hahn bei vielen Völkern in engerBeziehung zur Sonne. Die Portugiesen, deren beste Söhne so oftder goldenen Sonne nachsegelten, um neue Welten zu entdecken( Vasco da Gama, Magalhaes), haben eine besondere Vorliebe fürden tapferen und lebensvollen Hahn. In vielen Fabeln Portugalserscheint er auch als wahrsagendes Tier ³).

An den Originalstücken im Museum der Ersten österreichi-schen Spar- Casse läßt sich auch hinsichtlich der Farbgebung eine

5) Wörterbuch der deutschen Volkskunde, Oswald A. Erich undRichard Beitl, Stuttgart 1955, S. 286; Hans Strobel, Bauernbrauch imJahreslauf, Leipzig 1938, passim.

6) Ernst Burgstaller, Österr. Festtagsgebäck, Wien 1958, Abbil-dung Tafel XI, XII, XIII, XIV, XV, XVII.

7) Karl v. Spieß, Marksteine der Volkskunst, 1. Teil, Berlin 1937,S. 168 ff.

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8) Ernst Fuhrmann, Das Tier in der Religion, München 1922, S. 32.9) Mündliche Auskunft Frau Pinho, Portugies. Botschaft, Wien I.