Jahrgang 
72 (1969) / N.S. 23
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Vom mythischen Vogel zur Sparbüchse

( Mit 2 Abbildungen)

Von Margit Gröhsl

Den Besuchern des Museums der Ersten österreichischen Spar-Casse wird die buntbemalte Sparbüchse in Gestalt eines Hahnesaufgefallen sein( siehe Abbildung 1). Dieses Motiv finden wir inder farben- und formfreudigen Volkskunst Portugals sehr häufig.Von diesem westlichen Vorposten ausgehend, wollen wir einenkleinen Streifzug durch die geographischen, geschichtlichen undvorstellungsmäßigen Grundlagen dieses nützlichen Vogels unter-

nehmen.

In Europa sind es vor allem zwei Zentren, die durch ihreHuhn- und Hahnverehrung bekannt sind. Diese liegen einerseitsim alten keltischen Gebiet und andererseits im osteuropäisch- sla-wischen Raum ¹).

Obwohl die Tierform bei den Sparbüchsen erst im 17. Jahr-hundert in unserem Bereich auftaucht 2), reichen die Vorstellun-gen darüber nachweislich weiter zurück. Innerhalb ähnlicher undverwandter Vogelarten findet keine strenge Trennung statt. Hahnund Henne sind nicht immer deutlich unterschieden.

Die Grundlagen für die mythische Vorstellung um die Gestaltdes Hahnes sind einmal die Eigenschaften des Tieres an sich, dieden Menschen aufgefallen sind, und zum anderen ihre symbolischeÜbertragung ³). Zunächst besitzt der Hahn die anziehende und eineselbst innerhalb der Vogelwelt außergewöhnliche, farbenfreudigeGestalt. Durch die Eigenschaft der Überwindung der Schwerkraftversinnbildlicht der Vogel an sich die uralte Sehnsucht der Mensch-heit zu fliegen 4). Der Hahn im speziellen gilt als Symbol der Wach-samkeit, der Fruchtbarkeit, des Erntesegens, der Fürsorge für dieFamilie und deren Zukunft. Klar tritt hier der Grund dafür zu-tage, warum Sparbüchsen in vielen Gegenden die Form eines

1) Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Berlin und Leipzig1927 bis 1942, Bd. III, Spalte 1331; im weiteren zitiert als HDA.

2) Tyll Kroh a, Sparbüchsen ein Brevier, Braunschweig 1959, S. 26.HDA, Bd. III, Spalte 1325 ff.

HDA, Bd. VIII, Spalte 1673 ff.

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