Verschiedene andere aargauische Stadtrechte von 1403 bis 1768nehmen die Eidesverpflichtung der Hirten auf, so Laufenburg,Mellingen, Brugg 9). Der Inhalt des Eides lautet immer wieder aufMehrung und Ehr und Nutzen der Bürger, Abwendung vonSchaden, zeitiges Austreiben des Viehs,„ dass sie fleissig bey derherdt seigendt, auch der wacht wohl und zuverlässig obliegen,Wohlverwahren der Schlüssel von Hirt- und Pfandhaus usw.„ Diehirten sollen schwören dem vich getreu und wohl zu warten"( 1509) 10).
Das Eidbuch des Schultheissen, beider Räte und anderer Amts-leute der Stadt Bremgarten von 1557 enthält folgenden Hirteneid:Der Hirt soll schwören:„ zuo rechter zyt mit dem vych uss-und invaren, dasselb zum thrüwlichesten zu weyden vnd in guterhůt vnd sorg zehalten, damit im keyn schad widerfare, sondermengklichem das sin wider vnuerletzt heymbkome, vnd nit zelangan eynem ort stillzehalten, sondern yferig für vnd mit namen derweyd nachzefaren, dessglychen ouch gut acht vnd warzenemmen.ob jemands frombder oder heymbscher in hölzern schaden zů-fügte, dasselb bestes flysses zůfürkomen, obs ouch von noten were,eynem bumeister den thåter zeleydign, dessglychn die thürle, soer offen findt, zu zethund vnd die verbrochnen schirmhåg, so wytim müglich ist, ouch widerumb zůuerbessern oder den geprestenouch einem bumeister anzůzeygn, das derselb solchs zůbeschechnverschaffe, vnd in solichem allem handlen vnd thůn, wie danneinem gethrüven hirten vnd gouner wol anstat“ 11).
Das Heidenheimer Eidbuch in Württemberg enthält den Wort-laut eines Eides für den Stadtschäfer, in dem so ziemlich alles ent-halten ist, was an Arbeits-, Sorgfalts- und Treuepflichten demSchäfer zumutbar ist 12). Hessische Gesetze von 1659 bis 1828 13)lassen den Hirten den Behörden einen Eid leisten, in dem siebesondere Beachtung der Forst- und Wildschutz- sowie der Seu-chenbestimmungen versprechen. Die Eckerichtsordnung des Lusz-hartwaldes in der Nähe von Bruchsal 1434 verpflichtet die Hirtenzu geloben, die Waldordnung einzuhalten 14).
Keiner dieser Eide wird jedoch durch ein Eidesopfer oderdie Aufnahme einer Ahndungs- Androhung bei Bruch des Eides
9) A. a. O.. I 6, Nr. 88, S. 417; I 5, Nr. 71, S. 113; I 6, Nr. 110, S. 461;
I 2, Nr. 42, S. 92, und Nr. 176, S. 208; I 1, Nr. 337, S. 397.10) Deutsches Rechtswörterbuch, V, Sp. 1087.
11) Sammlung Schweizer. Rechtsquellen, Kt. Aargau, I 5, Nr. 71, S. 113.12) Theodor Hornberger. Der Schäfer, Stuttgart 1955, S. 231.
13) Otto Könnecke, Rechtsgeschichte des Gesindes in West- undSüddeutschland, Marburg 1912, S. 440.
28
14) Grimm a. a. O., S. 520 f.