Archäologie fallen. Im engeren Arbeitsbereich des Verfassers, imRaume Kirchberg a. d. Pielach in Niederösterreich, war von 1835bis 1939 ein Abbau von Steinkohle im Gange, der seinerzeit die-sem Gebiet ein eigenes Gepräge gab. Heute, nur eine Generationnach der Einstellung des Betriebes, wird kaum mehr davon ge-sprochen, die Stolleneingänge sind verschwunden und es sindnur mehr wenige Objekte aufzufinden. Im Bereich der Möbel-tischlerei verliert z. B. der Hobel zusehends an Bedeutung, da erfür die Veredelung der Holzoberfläche wegen der Faserstoffplat-ten und Kunststoffolien nicht mehr notwendig ist. Man merktdiese Änderung sehr deutlich in den Berufsschulen, wo natürlichdie neuen Arbeitsmethoden gelehrt werden. Auch bei der bäuer-lichen Arbeit ist es ähnlich, hier wird z. B. die Arbeit mit derSense immer seltener und das Gerät verschwindet mehr und mehr.
Wie raschlebig die Zeit ist, soll an zwei Vorrichtungen gezeigtwerden. Früher wurde ein Teil des Getreides„ ausgeschlagen",indem man die Ähren gegen ein Gestell, z. B. gegen ein auf dreiScheitern aufgestelltes Wagenrad, schlug. Diese Methode warnoch vor einigen Jahren zur Gewinnung eines möglichst unver-sehrten Strohes zum Dachdecken üblich. Da es sich um eineschwere Arbeit handelt, kam ein Bauer auf den Gedanken, dieGarben nicht gegen das Gestell sondern das Gestell gegen dieGarben schlagen zu lassen. In Abb. 9 ist die alte Methode desAusschlagens am Rad und in Abb. 10 das Schlagkreuz zu sehen.Diese Lösung entspricht durchaus den modernen Bestrebungender Ergonomie und verdient Beachtung. Sie war aber nur zweioder dreimal in Verwendung, denn der Anbau von Roggen hörteauf und ebenso das Decken der Dächer mit Stroh. Das Gerät istvielleicht 20 Jahre alt und schon museumsreif. Etwa in dieselbeZeit fällt die Schaffung eines anderen Gerätes. Ein Bauer wolltesich das Zusammenbinden des Strohs zum Schab für das Dach-decken vereinfachen. Er baute das in Abb. 11 ersichtlicheGestell, das so wie das vorher besprochene Gerät schon nachkurzer Zeit unnötig wurde.
Bei all den Erzeugnissen des bäuerlichen Handwerks handeltes sich um keine technischen Großtaten, die Einfluß auf dieGeschichte haben und daher in den Interessenbereich der„, Tech-nikgeschichte gehören, es handelt sich auch nicht um Beiträgezur Geschichte eines Zweiges der technischen Wissenschaften,also um Fragen der„ Geschichte der Technik" 10).
10) K. H. Ludwig, Technik und Geschichte( VDI Z. Bd. 109, 1967,Nr. 16).
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