Jahrgang 
71 (1968) / N.S. 22
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grelle Bemalung in der Wirkung noch erhöhter Wiedergabe ein-zelner Organe. Am stärksten hat sich die alte Tradition in Sar-dinien erhalten, dessen Wallfahrtskirchen noch voll sind von wäch-sernen und hölzernen Opfergaben der verschiedensten Art 26).

Im Bereich der orthodoxen Kirche Griechenlands gibt es mitAusnahme der jonischen Inseln und Cyperns überhaupt keineVotivtafeln, figürliche Silberopfer Tamata genannt aber zuvielen Tausenden. In Cypern ist auch noch das Wachsopfergebräuchlich 27). Die orthodoxe Geistlichkeit ist ja in diesen Belan-gen weniger empfindlich als die römisch- katholische, da diegefühlsmäßige Begegnung mit den hl. Mächten in ihrem Lebens-bereich eine größere Rolle spielt als der theologisierte Glaube.Die Verknüpfung zwischen Bild und Wirklichkeit wird dabei sehrstark empfunden. Wir haben in Athen eine stadtbürgerlicheFamilie kennengelernt, wo die Dame des Hauses, die sehr frommist, einen kleinen Hausaltar errichtet hatte, auf welchem diePanagia verehrt wurde. Links und rechts von der Muttergotteshingen zwei weibliche Votivfiguren aus Silber und die Dame sagteuns: ,, Das sind Ismini und Tita", womit sie ihre Tochter und diebei ihr lebende Nichte im Auge hatte, die sie damit dem Schutzeder Panagia empfehlen wollte.

Ähnlich wie mit den Votiven verhält es sich mit den Sakra-mentalien. Angesichts der Tatsache, daß sie von der Kirche ein-geführt wurden, um an Stelle des heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischen Amulettwesenskirchlich zulässige Schutzmittel zu setzen, war die Gefahr ihres Mißbrauches" im Sinne der katholischen Kirche immer sehr groß.Eine Uminterpretation war daher von allem Anfang an nötig undso kam man zu der Formulierung, sie wirkten nur kraft kirchlicherFürbitte und frommen Gebrauches( ex opere operantis). Nur dannund nur so vermitteln sie nach kirchlicher Ansicht Hilfe für Leibund Seele. In der Praxis des Volkes jedoch werden die Dingekaum unterschieden. Bis etwa vor zehn Jahren konnte man amArmaturenbrett süditalienischer Chauffeure die magischen Schutz-mittel wie Feige und Hörnchen und ähnliche Dinge mit Devo-tional- Kopien und den Abbildungen von Schutzheiligen stets ver-eint angebracht sehen. Im islamischen Volksglauben lagen die

26) Rudolf Kriss, Votive und Weihegaben des italienischen Volkes( Zeitschrift für Volkskunde, Bd. II, Berlin 1931, S. 249 ff.).

Derselbe, Beitrag zur Wallfahrtsvolkskunde von Sardinien( Öster-reichische Zeitschrift für Volkskunde, Bd. XI/ 60, 1957, S. 97 ff.).

27) Rudolf Kriss und Hubert Kriss- Heinrich, Peregrinationeohellenika(= Veröffentlichungen des Österreichischen Museums fürVolkskunde Bd. VI). Wien 1955.

Dieselben, Beiträge zum religiösen Volksleben auf der Insel Cypern( Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde, Bd. XII, Bonn 1962, S. 135 ff.).

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