lichen Heiligen eine thronende Muttergottes mit Kind, einegekrönte Maria ohne Kind und eine Madonna mit den siebenSchwertern nebeneinander dar 20). Auf Grund eigener Beobachtun-gen bei meinen Wallfahrts- Forschungen kann ich feststellen, daßderartige Bilder in Unteritalien in den letzten hundert Jahrenstark zugenommen haben 21).
Gewiß spielen bei der Votivtafel- Spende Promulgation undAnheimstellung eine größere oder geringere Rolle; auch die naiveFreude am Erzählen einer Begebenheit und die schöpferische Lustan der Bildgestaltung kommen hinzu. Aber schon bei jenen Votiv-tafeln, auf welchen beispielsweise der Votant seine ganze Familiesamt den verstorbenen Kindern darstellt, ja sogar samt der ver-storbenen ersten Ehefrau, die er neben der zweiten lebendenabbilden läßt, kann zumindest von Promulgation nicht mehr dieRede sein, da diese Bilder ihrem Charakter nach ebenso sehr in dieZukunft wirken, sind sie im Hinblick auf die verstorbenen Fami-lienmitglieder keine Dank- sondern Bittvotive, um den verstorbe-nen Mitgliedern die ewige Seligkeit zu erflehen. Bei der Darbrin-gung figürlicher Votive jedoch oder beim Herumtragen derselbenum den Altar kann von Anheimstellung kaum und von Promul-gation überhaupt nicht mehr die Rede sein. Daß die figürlichenVotive, besonders solche mit genauen individuellen Krankheits-darstellungen, jenen wächsernen Zauberpuppen nahe stehen, dieman einstens zum Schadenzauber verwendete, insoferne als man inihnen einen Feind darstellen wollte, den man dadurch zu tötenversuchte, daß man einen Nagel in die Figur steckte, kann zumin-dest vom äußeren Brauchvollzuge her nicht gut übersehen werden.Wenn aber, wie mir von einem guten Kenner des Volkslebens ein-mal erzählt wurde, eine Frau in Altötting eine wächserne Votiv-figur gekauft haben soll, ihr dann den Kopf abbrach und die kopf-lose Figur opferte, mit dem Wunsch, ihr Mann solle bald sterben,so ist hier eine vollkommene Vermischung zwischen Schaden-zauber und Votivkult eingetreten. Das mögen in dieser krassenForm Ausnahmen sein. Aber wenn man bedenkt, daß die Wall-fahrer in einen vor mehreren Jahrzehnten in der Kolomans-Kapelle von Tengling und heute in meiner Sammlung befindlichenKolomans- Kopf zahlreiche Löcher bohrten, um in ihn Krankheitenzu verpflöcken, indem man genau so wie man das sonst bei altehr-würdigen Bäumen tat, nämlich durch das Hineinschieben vonHaaren und Fingernägeln von Patienten, so wird man das Ineinan-dergreifen von Religion und Magie im Wallfahrtsbrauch doch nicht
20) Derselbe, ebendort, Abb. 81, S. 70.
21) Rudolf Kriss, Votive und Weihegaben des italienischen Volkes( Zeitschrift für Volkskunde Bd. II, Berlin 1931, S. 264 f.).
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