hat das nicht eben leichte, aber lohnende Kapitel„ Bildzeugnisse evan-gelischer Frömmigkeit“ übernommen. Die Anregungen von Richard Weißthaben hier Früchte getragen, es haben sich aber zu den bekannterenZeugnissen der protestantischen Wortfrömmigkeit" doch auch nichtwenige einer ausgesprochenen„ Bildfrömmigkeit“ gesellt, da läßt sichalso auch auf dem Gebiet der volkstümlichen Ikonographie noch zu-lernen. Vorarbeiten Adolf Spamers und Christa Pieskes werden hinterso manchen Ausführungen Scharfes spürbar. Zu den protestantischenPredigtkirchen mit ihren oft sehr volkstümlichen Tischlermalereienkönnte man manche neuere denkmalpflegerische Arbeiten in Bayernheranziehen. Ein größerer zusammenfassender Ausgriff würde sich hiersehr lohnen.- Rudolf Schenda hat mit seinem Kapitel„ Wallfahrten“wohl das beste Los unter den drei Autoren gezogen. Es ist in Südwest-deutschland mehr an mittelalterlichen, barocken und noch jüngerenWallfahrten vorhanden, als man gemeinhin meint, und Schenda hatdurchaus den Griff dazu, hier in einer sehr lebendigen Skizze alle vor-kommenden Züge zu erfassen, alle einschlägigen Motive kurz anklingenzu lassen. Freilich hat er bei weitem mehr naheliegende Vergleichs-möglichkeiten im benachbarten altbayerischen Raum als seine beidenPartner.
Das Buch ist in einem Repro- Druckverfahren hergestellt, das demBildmaterial überraschend gut gerecht wird. Selbst die Farbbildergenügen für unsere Zwecke durchaus. Anderthalbhundert Bilder ergebeneinen schönen sachlichen Querschnitt. Die herkunfts- und bedeutungs-mäßige Analyse der Objekte hätte man sich vielleicht etwas kritischervorstellen können. Das badisch- württembergische Buch müßte eigentlichnicht mit einem ausgesprochenen Sandl- Hinterglasbild anfangen. Und alseindeutigen Mangel möchte ich es doch ansprechen, daß man die beidengroßen leeren Seiten am Schluß nicht für die Angabe der wichtigstenLiteratur genützt hat. Von den Normalbenützern kennt doch kaum einerall die Namen und Titel von Anton Birlinger bis Albert Walzer aus-wendig, die unsichtbar hinter den drei Beiträgen stehen. Solcher Mängelungeachtet handelt es sich aber dennoch um ein nützliches Werk, das,wie man wohl in anderen Sparten in solchen Fällen zu sagen pflegt, eineLücke ausfüllt.Leopold Schmidt
Festschrift für Walter Wiora zum 30. Dezember 1966. Herausgegeben vonLudwig Finscher und Christoph- Hellmut Mahling. 678 Seiten,mit Abb., Noten und 1 Porträt. Kassel 1967, Bärenreiter Verlag.DM 96,-.
Dem auch als Volksliedforscher hervorgetretenen Musikwissen-schafter Walter Wiora ist eine Festschrift von seltenem Umfang understaunlicher Weite gewidmet worden. Nicht weniger als 85 Beiträgefolgen auf die Tabula gratulatoria und das Schriftenverzeichnis, dasWioras weit gespanntes veröffentlichtes opus aufweist.
Bei einem derartigen Umfang muß man sich begnügen, hier wenig-stens die für Volkslied und Volksmusik besonders wichtigen Arbeitenaufzuzählen, ohne die anderen, oft nicht minder anregenden, an dieserStelle doch zurückzustellen. Es handelt sich im wesentlichen um folgendefür uns wichtige Beiträge: Paul Collaer, Moyen- âge et traditionspopulaires; Higino Anglès, Die volkstümlichen Melodien in den mittel-alterlichen Sequenzen; Walther Lipphardt, Zur geistlichen Kontra-faktur; Camillo Schoenbaum, Harmonia pastoralis bohemica; DénesBartha, Volkstanz- Stilisierung in Joseph Haydns Finale- Themen;
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