manche Fragen. Nimmt man etwa die Schnabelmasken, so glaubt Walzereine solche auch auf einem Fresko in einem Sommerhaus in Isola amSilser See, 1672 erbaut, erkennen zu können. Erwin Poeschel hat, mitRecht, darauf hingewiesen, daß es sich wohl um eine Maske dercommedia dell'arte handeln dürfte. Man darf weitergehen, und einen,, Dottore" darin sehen, aber nicht den normalen Maskentyp, sondernden des Pestarztes: nur diese trugen bekanntlich gegen die Ansteckungs-gefahr solche Schnäbel, den Komödianten und Faschingsnarren warenaber selbstverständlich auch diese„ Schnabeldoktoren"( vgl. JohannesNohl, Der Schwarze Tod. Eine Chronik der Pest 1348 bis 1720. Potsdam1924. Abb. bei S. 114) ein willkommenes Motiv.
Auf die reiche, vielleicht sogar überreiche Bilderzusammenstellungvon Walzer folgt schließlich Robert Wildhaber mit seinen„ Gesichts-masken", leider bildlosen„ Bemerkungen zur Typologie und Verbreitungim europäischen Raum". Wildhaber hat als Museumsmann das Materialleidenschaftslos aufgegliedert, mit manchem kritischen Seitenblick aufErscheinungen, die in das gewohnte Verbreitungsbild nicht zu passenscheinen, und die es aber eben doch gegeben hat.
So zeigen sich in dem Band manche Gegensätze; man kann sichdenken, daß auf der betreffenden Tagung darüber eifrig diskutiertworden sein mag. Gleiches wird wohl auch in der weiteren Masken-literatur der Fall sein.Leopold Schmidt
Deutsche Volkslieder. Balladen. Unter Mithilfe von Erich Seemanngemeinsam mit Rolf Wilh. Brednich und Wolfgang Suppanherausgegeben von Wilhelm Heiske. 5. Teil. 340 Seiten. Freiburgim Breisgau 1967. Verlag des Deutschen Volksliedarchivs, in Kom-mission bei Ernst Kaufmann, Lahr im Schwarzwald.
Die ganz großen Unternehmungen der deutschen Volkskunde, wiesie in den zwanziger und dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts ein-geleitet wurden, sind unter keinem guten Stern gestanden. Das Hand-wörterbuch des deutschen Aberglaubens ist wenigstens im letzten Kriegnoch notdürftig fertiggebracht worden, wenn auch lückenhaft und ergän-zungs- wie erneuerungsbedürftig wie kaum ein anderes ähnliches Werk.Das Handwörterbuch des deutschen Märchens ist nach dem zweitenBand entschlafen. Der Atlas der deutschen Volkskunde ist in seinermühsam hergestellten ersten Folge ohne Kommentar geblieben.
Das Werk„ Deutsche Volkslieder mit ihren Melodien“, die SchöpfungJohn Meiers, die sich hier anreihen läßt, weil sie ebenfalls schon 1935zu erscheinen begonnen hat, ist nur in großen Abständen weitergeför-dert worden. Jetzt, nach zweiunddreißig Jahren, hält man beim 5. Banddes Balladenteiles, irgendein Ende ist da nicht abzusehen. Nach JohnMeier ist nun auch Erich Seemann dahingegangen, der einen sehr großenTeil des Werkes persönlich geleistet hat. Freilich ist wohl auch zumTeil wenigstens das überaus langsame Wachstum des Gesamtwerkesihm zuzuschreiben, weil seine Einarbeitung sämtlicher außerdeutscherFassungen, Varianten, Parallelen usw. der einzelnen Lieder einfach keinEnde auch nur der jeweiligen kleinen Balladen- Monographie zu erlaubenschien. Dennoch wird man Seemann für seine Gewissenhaftigkeit zuDank verpflichtet bleiben.
Man kann seine Arbeitsweise auch an dem vorliegenden Band nochfeststellen, dessen erster Teil von ihm noch wesentlich mitgestaltetwurde, wogegen der soeben erschienene zweite Teil erst nach seinem
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