Jahrgang 
71 (1968) / N.S. 22
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Bastler darunter gewesen sein, wie es solche überall und zu allen Zeitengab. In allen größeren Flecken, Dörfern und Märkten saßen aber gelernteHandwerker, deren finanzkräftigste Auftraggeber wir in den begütertenStänden und Berufen wie Ärzte, Apotheker, Richter, Geistliche, Bürger-meister, Wirte, Bräuer, Handwerksmeister und Bauernkönige zu suchenhaben. Für diese Schicht wurden die reichgeschnitzten und bemaltenSchränke, Truhen, Betten, Wiegen, die eingelegten Tische und anderesMobiliar gemacht, wenn wir z. B. ein paar Beispiele aus den Abbildungenherausgreifen, den zweitürigen Pinzgauer Blankholzschrank von 1772oder den Schrank mit Nachahmung von Marquetterie( Abb. 83- einvöllig gleiches Stück in Nordtiroler Privatbesitz), das hübsche zierlicheLouis Seize- Bett des Johann Scherndanner von 1813( Abb. 123) oder den1770 datierten reichbemalten zweitürigen Zillertalerschrank der MariaEbster von 1770( Abb. 142 die Ebster waren ein Kaufmannsgeschlecht),alles Arbeiten handwerklich sehr erfahrener ländlicher Meister, die auchum das Stilmöbel Bescheid wußten und deren beste Arbeiten kaum unterden Begriff Bauernmöbel" fallen, auch wenn wir heute diese dafüreingebürgerte Bezeichnung gebrauchen.

Für die Abgrenzung der einzelnen Möbellandschaften mag das zumTypus erhobene Erscheinungsbild des Möbels in erster Linie bestimmendsein. Wohngewohnheiten und Standortfrage spielen nach Meinung desUnterzeichneten heute eine geringere Rolle, die allerdings vom Stand-punkt der Volkstumsforschung, insbesondere im Zusammenhang mit derBauernhausforschung eine starke Aufwertung erfährt. Der Verfasserbeklagt selbst, daß die für die Erkenntnis der Wohntradition so wich-tigen Überlieferungen von Standort und Funktion der Möbel an ihrenalten Orten nur in sehr geringem Ausmaß mitvermittelt wurden." DieFrage nach der Funktion des Möbels bereitet wohl in den meisten Fällenkeine Schwierigkeit, das Bett ist in erster Linie eine Schlafgelegenheit,auch das Ehebett für das Hochzeitsbett mag gelten, was der Autor aufSeite 41 schreibt-, Schränke, Wandkästchen und Truhen sind Behälter,Stühle und Bänke Sitzgelegenheiten und Tische Möbel, an denen man iẞtund trinkt, Karten spielt oder verschiedene Arbeiten verrichtet.

Besehen wir uns das Bildmaterial des Buches, so sehen wir, daß dieAbbildungen, abgesehen von einer Reihe von Blankholzmöbeln, fastausnahmslos das durch Schnitzerei und Malerei ausgeschmückte Möbeluns vor Augen führen, und für den, der an diesem Gegenstand einInteresse hat, ist es sicherlich ein Genuß, in diesem Buche zu blättern.Aber, wie bereits erwähnt, Prof. Schmidt hat seinem Bildwerk einenumfangreichen, mit Wissen schwer befrachteten Text mitgegeben.

Wer sich tiefer in den Gegenstand zu versenken und eine größereÜbersicht über dessen vielfältige Erscheinungswelt zu gewinnen wünscht,wird mit großem Nutzen und mit Dankbarkeit die auf einer umfassendenLiteraturkenntnis beruhende Einleitung lesen. Schmidt kommt hier, wassehr aufschlußreich ist, auf die Anfänge der Sammeltätigkeit an bäuer-lichen Möbeln im 19. Jahrhundert zu sprechen und zeigt auf, wie durchdie Sammeltätigkeit die wissenschaftliche Erforschung des Gegenstandesin den einzelnen Gebieten ihren Anfang genommen hat, ein Beginnen,das für immer mit den Namen Johann Deininger, Franz Zell, Karlv. Radinger, Otto Lauffer, Josef Blau, Michael Haberlandt und andererverknüpft ist. So konnte dann, im Gegensatz zu anderen Gebieten volks-kundlicher Forschung erst verhältnismäßig spät, 1924 Rudolf Uebe seineheute noch beachtenswerte, in klarer, allgemein verständlicher Aus-drucksweise verfaßte Überschau über das ganze vielschichtige Gebiet desbäuerlichen Möbels in deutschen Landen vorlegen.

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