den. Dennoch ist die Zahl der Bezeugungen nicht sehr groß, mankann auch jetzt nur von Stichproben sprechen. Die einzige mehroder minder systematische Erhebung ist in den Erntebrauch-Fragebogen von Wilhelm Mannhardt gegeben.
Zunächst erweisen aber diese Stichproben doch, daß auchjetzt das Brauchelement komplexfrei vorkommen kann, mituntersogar, daß man in dieses komplexfreie Vorkommen besser als vor-her hineinzuschauen vermag. Die Bezeugungen, daß in Kreisenvon Soldaten, von Studenten, von Handwerkern und schließlichauch von Häftlingen auch ohne Zusammenhang mit bestimmtenFestterminen geprellt werden konnte, mehren sich. Sie zeigenanderseits vielleicht auch, daß als mindestens einer der Anlässedie Einführung eines Neulings gelten kann. Rekruten, die neu zurTruppe kamen, wurden unter Umständen geprellt, im Deposi-tionsbrauch der Studenten fand das„ Fuchsprellen“ seinen Platz,für die Handwerksburschen galt wohl seit langem schon das gleiche.Und die Häftlinge, die Asozialen, hatten ihre Gefängnisspiele,unter denen das Prellen, das„ Deckenschupfen“ vermutlich sehrweithin üblich war.
Es gibt nicht viele direkte Hinweise auf diese Dinge; ihreZahl ließe sich vermutlich aus den verschiedensten Quellen sehrvermehren. Der Studentenbrauch des„ Fuchsprellens" dürfte ziem-lich allgemein üblich gewesen sein. Friedrich Rauers hat ihnbei den Hänselbräuchen eingereiht und gemeint, daß er in Dorpatam längsten üblich geblieben sei 58). Von den Häftlingen wissenwir gleiches zufällig aus Rom. Albert Zachers verdienstvolleBeschreibung der in der Ewigen Stadt im 19. Jahrhundert üblichengroben Häftlingsscherze hat auch das„ Prellen" erwähnt 59). Es istsicherlich ziemlich international üblich gewesen, wo eben die Ge-fängnisverhältnisse gleich oder ähnlich waren. Für das Wien nochunseres Jahrhunderts hat Rudolf Geist eine erschütternde Zu-sammenstellung solcher Neulings- Mißhandlungen gegeben 60). VomMilitär ist das Prellen auch in die verschiedenen Jugendbündeübernommen worden. Waren es in den Kasernen die Decken, aufdenen geprellt wurde, so nahm man im Feld oft das Zeltblattdafür. Auch das haben die wandernden Jugendgruppen übernom-men, nach dem ersten Weltkrieg ist das„ Zeltblattschupfen“ rechtgeläufig gewesen.
58) Friedrich Rauers, Hänselbuch. Schleif-, Vexier-, Deponier-,Tauf- und Zeremonien- Buch. Essen 1936. S. 82.
59) Albert Zacher, Römisches Volksleben der Gegenwart. Stutt-gart 1910. S. 197.
60) Rudolf Geist, Der rote Knorr und andere Novellen von kleinenLeuten. Wien 1946. S. 91 ff.
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