dert vielfach„ komplexfrei" oder, wie Hermann Bausinger diesformuliert hat,„ verfügbar“ gewesen 53). Wenn man sich in lustigerGesellschaft erheitern wollte, konnte man doch auch damals ge-legentlich einen solchen Popanz von der Decke oder vom Leintuchaus in die Luft schnellen. Diesen Eindruck macht jedenfalls derschöne Teppich- Entwurf, den Francesco da Goya 1791 gemalthat 54). Da schnellen vier Mädchen im Freien einen als Mann be-kleideten Popanz in die Höhe, ohne daß ein weiterer Anlaß dar-gestellt wäre. Freilich hat Goya in der Reihe dieser köstlichenTeppich- Entwürfe mehrere Festbräuche malerisch festgehalten, erhat das Erklettern des Maibaumes ebenso wie den Umzug miteiner Faschingsfahne dargestellt. Das Fuchsprellen durch die Mäd-chen könnte also auch auf ein Jahresfest hinweisen 55). Etwas jün-gere katalonische Holzschnitte kennen auch das Prellen einerMannspuppe durch Mädchen, und zwar im Fasching, im Bereichder Carnestoltes" 56)( Abb. 2). Gebundenere und freiere Formenmögen also im 18. Jahrhundert nebeneinander vorgekommen sein.Eine davon hat jedenfalls zum künstlerisch großartigsten Zeugnisdieses Brauchelementes, eben den Karton von Goya geführt.
Es war nicht der einzige Teppich- Entwurf, der dieses Themaaufnahm. Ein köstliches Gegenstück dazu ist ungefähr gleichzeitigin Flandern gewirkt worden. Aber dieser Gobelin des 18. Jahr-hunderts, vielleicht aus einer Werkstatt in Brüssel, stellt nicht eineigenes Volksfest mit dem Höhepunkt des Fuchsprellens dar, son-dern illustriert die schon besprochene Szene im„ Don Quichote“des Cervantes. Der Gobelin befindet sich seit langem in der Samm-lung des Kunsthistorischen Museums in Wien, als Stück einer gan-zen Serie, die alle wichtigen Don- Quichote- Szenen im Bilde dar-stellt 57)( Abb. 1).
VII
Das 19. Jahrhundert hat alle bisher geschilderten Arten desFuchsprellens auch gekannt, und seit Aufklärung und Romantiksind sie gelegentlich auch literarisch und bildlich dargestellt wor-53) Hermann Bausinger, Volkskultur in der technischen Welt.Stuttgart 1961. S. 72 ff.
54) Richard Oertel, Goya. 2. Aufl.(= Künstler- MonographienBd. 89). Bielefeld und Leipzig 1929. Abb. 10, und S. 32.
55) Manuel Garcia Matos, Marius Schneider, José Romeu Fi-gueras, Cancionero popular de la Provincia de Madrid. Bd. I, Barce-Iona 1951. S. XVIII ff. Dort ein ausführlicher volkskundlicher Kommen-tar zur Darstellung von Goya.
56) Joan Amades, Costumari Catalá. El Curs de l'any. Bd. II, Bar-celona 1951. S. 115.
57) Kunsthistorisches Museum in Wien. Gobelin- Sammlung derSammlung für Plastik und Kunstgewerbe. 2. Teppich der Don- Quichote-Serie.
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