Jahrgang 
71 (1968) / N.S. 22
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Fastnachtspottes hervorzugehen scheint. Eine derartige bedeut-same Ausprägung hat sich jedenfalls in den Niederlanden er-geben, wo freilich das festliche Treiben zumal in den alten Städtenalle derartigen Bräuche bedeutungsvoller zu stilisieren pflegte alsanderswo. In den südlichen, also den habsburgischen Niederlan-den hat sich das Fuchsprellen im Zusammenhang mit den orts-bedeutsamen Riesen- Umzügen ganz besonders spezialisiert 46).Das läßt sich besonders an der Geschichte der Riesenumzüge vonMecheln ablesen. Dort traten bei den Umzügen außer den men-schengestaltigen Riesen verschiedene Sagengestalten auf, so dasRoß Beyard mit den vier Haymonskindern, dann das Glücksrad,und im Zusammenhang mit der Riesenfamilie eine Gestalt, dieman ,, Vuyle Bruyd oder Vuyle Bras nannte 47). Dieser VuyleBruyd" war im 17. Jahrhundert jedenfalls schon vorhanden, nachden Stadtrechnungen von 1678/79 wurde er in die Höhe geworfen,was später regelmäßig tot Recreatie van de Kermisgasten zu ge-schehen pflegte. Das Schnellen einer Puppe verband sich aber inMecheln mit einer Art von Entstehungssage. Die Figur VuyleBruyd" soll eine Spottfigur der Antwerpener gegen die Mechelnergewesen sein. Als solche wurde sie von den Mechelnern gestohlenund deshalb seither im Triumph herumgetragen. Die Entstehungs-sage ist in die Sagensammlungen eingegangen 48). Die Puppe, einezwergenhafte Gestalt mit geschnitztem Kopf und Gliedmaßen undreicher Bekleidung, hat sich erhalten, doch heißt sie nicht mehr Vuyle Bruyd", sondern wird allgemein Op Signorke" genannt,also nach dem Ruf beim Prellen bezeichnet. Daran knüpfen sichweitere Brauchgeschichten, von denen noch eigens gesprochen wer-den muß.

Die Geschichte vom Vuyle Bruyd oder Op Signorke zeigtjedenfalls, daß das Prellen einer Fastnachtspuppe in Zusammen-hängen wie jenen der städtischen Kermis eigene Bedeutung ge-winnen konnte.

Was sich hier im 17. Jahrhundert so stark entfaltete, hat imdarauffolgenden Saeculum noch einen gewissen Nachklang behal-ten. Erst die Einwirkung der Aufklärung im späteren 18. Jahr-hundert hat die barocken Schwellformen beseitigt.

46) Vgl. allgemein Klaus Beitl, Die Umgangsriesen. VolkskundlicheMonographie einer europäischen Maskengestalt mit besonderer Berück-sichtigung der Fete de Gayant" zu Douai in Nordfrankreich. Wien 1961.

47) Victor de Meyere, De Reuzenommegangen( in: Paul de Key-ser, Ars Folklorica Belgica. Bd. I, Antwerpeň 1949. S. 64 ff.).

48) Collin de Plancy, Légendes d'Anvers. Bd. I, Antwerpen 1844.S. 202.

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