Jahrgang 
71 (1968) / N.S. 22
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Diadem krönten, mit einem Mantel aus den schlechtesten Lumpenumhüllten, auf einen Sessel hoben und als König begrüßten. Sotrugen sie ihn mit Gewalt auf den großen Platz vor dem könig-lichen Palast, um Crudarte ein heiteres Schauspiel zu gewähren.Mit Hilfe von acht starken Männern, die sie zu diesem Zwecke aus-gewählt hatten, prellten sie ihn wiederholt auf einer Decke, undsagten ihm, so erhöben sie ihn viel besser als auf den königlichenThron, und zeigten damit dem Volke Könige seinesgleichen. AmEnde ließen sie ihn zerbrochen und atemlos liegen, daß er kaumauf den Füßen in seine Gemächer gelangen konnte 43)." Man sieht,es handelt sich um den Spott des Fuchsprellens im engsten Zusam-menhang mit einer Krönungs- beziehungsweise Schilderhebungs-zeremonie. Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. DasAusrufen eines Festkönigs zusammen mit seiner Erhebung aufeinem Stuhl ist brauchmäßig durchaus bezeugt. Ein solches Lif-ting" des Hausherrn oder auch des Gastes durch die Frauen, vorallem durch die weiblichen Dienstboten, war beispielsweise zuOstern in England üblich 44). In der Novelle von Pietro Pomo folgtauf die Spott- Erhebung sogleich die bildhafte Strafe, eben dasPrellen. Hermann Allmers hat also vor mehr als hundert Jahrengar nicht so ganz falsch gesehen, als er das Högen" im Ernte-brauch mit der Schilderhebung in einen gewissen Zusammenhangbringen wollte, und Tiemann hat sich die Kritik an Allmers zuleicht gemacht. Wirkliche Königsbräuche und heitere Zeremonienum einen Spott- oder Festkönig stehen immer sehr dicht neben-einander. So manche wirkliche als Königsberufung gemeinteSchilderhebung ist im Mittelalter nur ganz knapp an einer Spott-zeremonie vorübergegangen. Das war beispielsweise 1125 derFall, als Lothar von Supplinburg zunächst nur von seinen Sachsenzum König ausgerufen und auf den Schild erhoben wurde, und dieeigentliche Wahl und Krönung erst später und ohne Anerkennungdieser ersten Erhebung stattfand 45). Solche Dinge hat die alte Zeitselbstverständlich gewußt, und den Spottbrauch daher mit derWirklichkeit in lebendige Beziehung zu setzen vermocht.

Damit stehen wir aber auch vor der Feststellung, daß die ge-prellte, geschnellte Gestalt, ob Mensch oder Puppe, in manchenZusammenhängen mehr Bedeutung gehabt haben kann, als ausden vielen Zeugnissen des Handwerkerbrauches oder auch des

43) Italienische Novellen. Berlin 1940. Bd. III, S. 499.

44) A. R. Wright, British Calendar Customs. England. A. Movablefestivals. Hg. T. E. Lones(= Publications of The Folk- Lore Society, Bd.XCVII). London 1936. S. 108 und Abb. Taf. II.

45) Franz Lüdtke, Kaiser Lothar der Sachse. Deutschlands Wen-dung zum Osten. Berlin 1937. S. 111.

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