und prellen damit einen sechzehnten, der auf dem Holzschnitt alseben in der Luft schwebend gezeigt wird 31).
Das Brauchelement ist also in guten Bezeugungen der frühenNeuzeit gegeben, aber durchaus nicht auf einen einzigen Brauch-termin beschränkt. Einmal gibt Sebastian Franck 1539 die Fast-nacht als Termin an, und ein zweites Mal läßt sich aus einerMünchener Hofrechnung von 1592, entnehmen, daß die Seiler-gesellen zur Fastnacht den„ Liendl geschutzt" hatten; Sie bekamen1 fl., einen Gulden dafür 32). Schmeller hat einen weiteren Belegdazugestellt,( cgm. 991, f. 225 b), nach dem ein Fremder auf einerBärenhaut„ geschutzt" worden sei 33). Das mag ein Einführungs-oder ein Strafbrauch gewesen sein, der Beleg steht einstweilenvereinzelt. Aber auch das„ Liendl schutzen" war bisher nicht be-kannt: Die Puppe der Seiler sollte danach„ Liendl“, also Leon-hard geheißen haben 3). St. Leonhard, der Patron der Gefan-genen, als Patron der Seiler, das wäre durchaus möglich 35). Daßder Tagespatron dann die Kurzform seines Namens der Spielfigurüberlassen habe, scheint auch im Bereich des Wahrscheinlichen,es gibt genügend Gegenstücke dazu. Aber dann wäre dieserBrauch des„ Liendlschutzen“ der Seilergesellen eigentlich keinFastnachtsbrauch, sondern ein Handwerkerbrauch, zunächst amJahrtag der Seiler durchgeführt, gewesen. Dazu hat es noch im19. Jahrhundert Gegenstücke gegeben, beispielsweise in Meran,wo die Gerber auf diese Weise ihren Jahrtag begingen 30).
Das Fuchsprellen konnte also im 16. Jahrhundert im Fast-nachtsbrauch vorkommen, es war aber nicht daran gebunden. Eswar unter Umständen Jahrtagsbrauch der verschiedenen Hand-werker, wobei die Fleischer vielleicht etwas stärker im Vorder-grund stehen dürften, weil sie nicht wie die anderen Fuchsprellerihren Mann oder ihre Puppe auf einer Decke oder auf einemLeintuch schutzten", sondern dafür eine Rinderhaut verwendenkonnten, wie übrigens eben später noch die Gerber auch. Das warsinnbildliches Standesdenken, wie bei allen Zunftzeichen, aber
31) Georg Hirth, Kulturgeschichtliches Bilderbuch aus vier Jahr-hunderten. 2. Aufl. Hg. Max von Boehn. München 1923. Bd. I, Abb. 265.32) Schmeller, Bd. II, Sp. 495, nach Westenrieder, BeiträgeBd. III, S. 108.
33) Schmeller, ebendort, II, Sp. 495.
34) Mit dem Liendlschutzen, dem Aufheben des eisernen Leonhards-nagels in der Wallfahrtskirche von Inchenhofen( Rudolf Kriss, DieVolkskunde der Altbayrischen Gnadenstätten. Bd. I, München- Pasing1953. S. 151) hat der Brauch nichts zu tun.
35) Bei Dietrich H. Kerler, Die Patronate der Heiligen. Ulm 1905.S. 332 f., wird der hl. Leonhard nicht als Patron der Seiler genannt.
36) Otto Freiherr von Reinsberg- Düringsfeld, Culturhisto-rische Studien aus Meran. Leipzig 1874. S. 134 f.
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