Jahrgang 
71 (1968) / N.S. 22
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Möglicherweise gibt es einen Hinweis auf einen derartigenBrauch bei den Thrakern. Herodot erzählt von ihnen, daß siejedes fünfte Jahr einen Boten", vielleicht einen Königsvertreter,an Zalmoxis, der hier wohl als eine Art von Gottkönig gedachtist, geschickt hätten. Man warf den Boten in die Höhe, und wäh-rend er herunterfiel, spießte man ihn mit Lanzen durch. Wenn erstarb, war er gottbegnadet, wenn nicht, war er böse, und es mußteein anderer auf diese Weise geschickt werden 24)." Die Stelle istso dunkel wie die meisten Nachrichten über Zalmoxis und seinenKult. Es muß eine Fülle von Bräuchen und Spielen in diesem Zu-sammenhang gegeben haben, die wohl so etwas wie Mutprobenwaren. Was man sich vom Hängenspielen" der Thraker er-zählte 25), klang nicht weniger greulich wie diese Geschichte vomHochwerfen und Aufspießen der Königsboten. Aber das Hoch-werfen könnte jedenfalls ein Prellen gewesen sein, und des-halb muß hier darauf hingewiesen werden, nicht etwa um der re-zenten Belege für das Fuchsprellen im Balkanbereich. Was frei-lich anderseits wieder nicht heißen soll, daß es dort nicht etwaauch Erscheinungen der Kontinuität geben könnte; man hat aufso manche offenbar sehr langlebige Kulturelemente in jenemSüdostraum Europas hinweisen können.

IV.

Das Hochwerfen der Boten bei den Thrakern ähnelt in seinemVerlauf einem Gottesurteil. Damit wird die Sphäre der Rechts-bräuche berührt, und seit Grimm ist das Brauchelement desFuchsprellens immer einmal auch dort festgestellt worden 26).Vielleicht nicht als Gottesurteil, wohl aber als Strafe hat es dasPrellen im Mittelalter jedenfalls gegeben. Ja man kann sagen,die wenigen mittelalterlichen Belege, die es überhaupt dafür gibt,entstammen alle dem Bereich des alten Rechtsbrauches.

Das merkwürdigste Zeugnis, eine Stelle in der Weltchronikdes Wiener Bürgers Jans En enkel, nach 1250 verfaßt, ist leiderungefähr ebenso undeutlich wie das Epigramm Martials. Es läßtsich nur daraus entnehmen, daß es ein Prellen, und zwar als

24) Herodot, Historien, IV, 94 f.

Erwin Rohde, Psyche. Seelenkult und Unsterblichkeitsglaube derGriechen. 7. und 8. Aufl. Tübingen 1921. Bd. II, S. 28 ff.

25) Groos, Spiele der Menschen, wie oben Anm. 19, S. 283 f.Vgl. weiter Joseph Wiesner, Die Thraker. Studien zu einem ver-sunkenen Volk des Balkanraumes(= Urban- Bücher Bd. 41). Stuttgart1963. S. 95 ff.

26) Jacob Grimm, Deutsche Rechtsaltertümer, 2. Aufl. Bd. II, S. 1324.

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