Jahrgang 
71 (1968) / N.S. 22
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Norddeutschland noch mehrfach ausgewiesen 11), ohne aber miteiner Deutung belastet zu sein. Als Gegenstück dazu kann mandie ebenfalls philologisch hochgebildeten und ebenso eingestelltenZeitgenossen Mannhardts ansehen, Reinhold Köhler vor allem,aber auch seinen Nachlaßherausgeber Johannes Bolte. Köhlerhat 1881 eine kleine Belegsammlung zu dem Motiv Up der Hutwerpen", auf der Haut", meist einer Ochsenhaut, prellen, zusam-mengestellt 12), Johannes Bolte hat sie bei der Neuherausgabesinnvoll ergänzt, nicht zuletzt auch durch verdienstvolle Hinweiseauf Abbildungen, die gerade für diesen Brauch, dieses Brauch-element nicht ganz selten sind 13). Deutungen dagegen haben we-der Köhler noch Bolte angestrebt.

Ähnlich steht es bei den meisten Zusammenstellern land-schaftlichen Brauchgutes, auch wenn mitunter wohl stillschwei-gend die Deutung im Sinn des Todaustragens" vorhanden ge-wesen sein dürfte. Eduard Hoffmann- Krayer hat sie be-tont wieder ausgesprochen. Für ihn war das Aufwerfen oder Prellen einer entsprechenden Figur eine der Formen des Tod-austragens 14). An Hoffmann- Krayer hat sich Tiemann mit demArtikel im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens ange-schlossen, einem jener zu kurzen und zu wenig tiefgehendenArtikel dieses an sich so verdienstvollen Werkes, welche das Ge-samtwerk heute, knapp ein Vierteljahrhundert nach seiner Fer-tigstellung, so wenig befriedigend erscheinen lassen. Tiemann hatnicht nur die Verbreitung des Brauchelementes nicht überblickt,er hat auch noch einmal einige Belege für das Bäckerschupfen mitherangezogen, also wie Lipowsky mehr als ein Jahrhundert vor-her, und damit zwei sehr verschiedene Dinge kontaminiert.

Jedenfalls steht Tiemann ähnlich wie mehrere Vorgänger aufdem Standpunkt, daß es sich beim Prellen um ein symbolisches

11) Ingeborg Weber- Kellermann, Erntebrauch in der länd-lichen Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts, auf Grund der Mannhardt-befragung in Deutschland von 1865(= Veröffentlichungen des Institutsfür mitteleuropäische Volksforschung an der Philipps- Universität Mar-burg- Lahn, Bd. 2). Marburg 1965. S. 233 f. und öfter.

12) Reinhold Köhler, Up der Hut werpen( Korrespondenzblatt desVereins für niederdeutsche Sprachforschung Bd. 6, 1881, S. 36).

13) Derselbe, Kleinere Schriften zur Neueren LiteraturgeschichteVolkskunde und Wortforschung, hg. Johannes Bolte(= Kleinere Schrif-ten, Bd. III). Berlin 1900. S. 606 f.

14) Eduard Hoffmann- Krayer, Fruchtbarkeitsriten im schwei-zerischen Volksbrauch( Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Bd. XI,S. 239).

Wörtlich wiederholt in: Hoffmann- Krayer, Feste und Bräuchedes Schweizer Volkes. Neubearbeitung durch Paul Geiger. Zürich 1940.S. 122.

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