konstruierten Möbel- Landschaften Nordtirols dürften gleichfallsvor allem den wirtschaftlich sozialen Gegebenheiten der einzel-nen Talschaften entsprechen, wenn z. B. die besonders reich bemal-ten Zillertaler-, Alpbacher- und Brandenbergermöbel im Unter-inntal die Oberinntaler Möbel an Schönheit bei weitem überragenund bereits mit den Oberösterreichischen Prachtmöbeln, denVogel- und Reiterkästen der Florianer, Eferdinger und Vöckla-gegend verglichen werden können 4).
Für die angeführten leichten Verschiedenheiten im Bauern-mobiliar sind weiters mehr als man allgemein annimmt, einzelneWerkstätten verantwortlich, die oft eine ganze Talschaft mitihren Erzeugnissen versorgten. Außerdem ist auch das vielfacheWandern dieser Möbel zu berücksichtigen, so daß z. B. Collesellisprachtvoller, geschnitzter Pinzgauer Schrank auf Seite 146 auchin zwei Lienzer Hotels nahezu in gleicher Form aufscheint. Einwirklich landschaftsgebundenes Möbel und daher seiner Herkunftnach leicht erkennbar ist in Tirol wohl nur die in Material undFarb- Dekor immer gleiche Überetscher Truhe bzw. die des BoznerUnterlandes( langobardischer Stil).
Da in dem obgenannten neuen Tiroler Werke Osttirolvollkommen unberücksichtigt blieb( ein Schrank aus der Brun-ecker Gegend, Seite 162, der noch dazu bürgerlich- städtische Her-kunft verrät, kann nicht das ganze ehemalige Pustertal bis zumKärntnertor vertreten), ist es vielleicht nicht unangebracht, hiereine kleine Osttiroler Ergänzung zum„ Tiroler Möbel“ zu bringen:
Ganz allgemein kann dabei gesagt werden, daß unsere frühe-sten Stücke nur einfach schwarz oder braun gebeizt, die Möbeldes 17. und der 1. Hälfte des 18. Jh. aber beschnitzt und eventuellmit einer Grundfarbe versehen sind, während uns erst das 19. Jh.das mit Blumenwerk, Landschaften, Symbolen und Heiligenbil-dern bemalte Bauernmöbel wie Tuchtruhen, Kleiderkästen, Bett-stätten und Kinderwiegen, Almer- und Wandkästchen, Urkunden-trüherln und Uhrkästen, Tische und Stühle, sowie als spezielleOsttiroler Variante die vielen herrlich bemalten Stuben- undEhekammergetäfel bescherte: Es gibt da und dort noch echte Stol-lentruhen( Abb. 1) und-betten( Abb. 2) sowie Giebeltruhen( Ab-bildung 3) aus einfachen Brettern und gespundete Ganterlen mitdurchstochenen Gittertüren( Abb. 1), die insgesamt 300-400 Jahrealt sind und sämtlich ohne jeden Eisenteil nur mit Holznägelnverbunden, bzw. mit Holzgriffen verschlossen sind. Dazu tragen
4) Vgl. Franz Lipp, Oberösterreichische Stuben. Linz 1966.Leopold Schmidt, Volkskunst in Österreich. Wien 1966. Farb-tafel 1, 2, 3.
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