Volume 
70 (1967) / N.S. 21
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

kürlich erscheint die zeitliche Begrenzung des Stoffes auf das Jahr 1650.Ältere Objekte finden sich in den beiden ersten Abteilungen des Natio-nalmuseums. Die volkskundlich- wissenschaftlichen Untersuchungen grei-fen freilich oftmals weiter zurück und umfassen die dänische Volkskul-tur im weitesten Sinne. Georg Nellemann zeigt in seinem Beitrag( European Ethnology) auf, wie sehr die interethnischen Beziehungen dereuropäischen Volkskulturen ein notwendiger Bestandteil der dänischenVolksforschung sein müssen, weil Dänemark einst weit über seinejetzigen Grenzen hinaus kulturell gewirkt hat. Nicht allein Norwegen,Island, die Färöerinseln, Grönland gehörten zeitweise zum dänischenReich, sondern auch die Herzogtümer Schleswig und Holstein, die in Per-sonalunion mit Dänemark verbunden waren. Von dieser unter sich sehrverschiedenartigen Ländern gingen gleichfalls Kultureinflüsse auf diedänischen Kernlandschaften aus. In diesem Zusammenhang sei_an denAufsatz von Ernst Schlee, Die geschichtliche Entwicklung des Bauern-hauses in Schleswig- Holstein,( Kieler Blätter 1938), erinnert, der die Ein-flüsse des niederdeutschen Hauses auf die dänische Hauskultur heraus-stellt. Das wechselseitige Geben und Nehmen von Kulturgütern zwischenSkandinavien und den übrigen europäischen Völkern hat auch AxelSteensberg in seinen Arbeiten immer wieder dazu bestimmt, ver-gleichende Untersuchungen anzustellen. Dazu gehören vor allem seineStudien über die Erntegeräte( 1943), über die dänische Volkskunst( 1949und 1957) und über die dänische Keramiktechnik( 1960). In den Bereichderartiger ethnologischer Untersuchungen gehören auch die Erhebungenüber die Einwanderung polnischer Erntearbeiter, die im Zusammenhangmit dem Anbau der Zuckerrübe in den 1870er Jahren standen. Hier sindvor allem die Frage der Akkulturation bzw. umgekehrt des Einflussesder Polen auf die dänische Bevölkerung von Interesse. Diese verglei-chende volkskundliche Schau ist zum Merkmal gerade der skandinavi-schen Forschung geworden. Sigurd Erixon hat aus diesem Grundeden Begriff der Regionalen Ethnologie geprägt und sich in seinen Ver-öffentlichungen an diese Maxime gehalten. Das gleiche darf man vonAxel Steensberg sagen, dessen Forschungen oftmals über den Rahmender Volkskunde in das Gebiet der Kulturgeschichte vorgedrungen sind.Ausgangspunkt und Basis ist diesen beiden Gelehrten freilich immerwieder das Überlieferungsgut der heimischen Volkskultur gewesen. DenBemühungen, die Ergebnisse der skandinavischen Regionalen Ethnolo-gie der weiteren europäischen Fachwelt zugänglich zu machen, entsprichtdie Übersetzung des vorliegenden Bandes in die englische Sprache.

Insgesamt werden in diesem Werk vierzehn Einzelaufsätze vorge-legt. Mit Entwicklung und Bestand der beiden volkskundlichen Museums-abteilungen befassen sich ihre Leiter Holger Rasmussen( The Originand Aim of the Open- Air Museum). Ellen Andersen äußert sich überdie Trachten- und Textilsammlungen( The Costume and Textile Collec-tion in the Danish Folk Museum), Anders Jespersen über den Müh-lenbestand des Museums( Nationalmuseets Mølleudvalg) und seine Er-haltung( Danish Mill Preservation Board: Problems of Preservation).

Von großem Interesse dürften die Ausführungen Ole Højrups zurMethodik der im Rahmen des Museums stattfindenden ethnologischenUntersuchungen sein, die nach dem Vorbild der 1928 in Schweden begon-nenen Arbeiten dieser Art zehn Jahre später auch in Dänemark begon-nen wurden. 1939 führte Ellen Andersen Einzelabfragungen über Kopf-bedeckungen bei Trachten durch. 1941 arbeitete Axel Steensberg einenFragebogen über Erntegeräte aus und baute auf den Beantwortungen

234