Jahrgang 
70 (1967) / N.S. 21
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gesungen wurde, d. h., ob aus Böhmen auch regelmäßig Pilgernach Walldürn kamen, muß vorerst noch fraglich bleiben. Die inWalldürn geführten Mirakelbücher nennen zwar unter anderemauch Prag als Herkunftsort von in Walldürn Geheilten, doch han-delt es sich dabei wie im Falle von Wien und Neuburg an derDonau um die östlichen Strahlungsendpunkte der WalldürnerWallfahrt zur Zeit ihrer größten Blüte( 18. Jahrhundert) 18). Vondort besuchten zwar reiche Einzelpilger den kurmainzischen Gna-denort im hinteren Odenwald, die zu Hause auch von Walldürnund seinem Gnadenbild Kenntnis gegeben haben mögen, doch sindaus diesen Gebieten keine geschlossenen oder gar kontinuierlichenProzessionen nach Walldürn bekannt. Lediglich böhmische Händ-ler auf dem Walldürner Wallfahrtsmarkt sind nachgewiesen, diehier Ende des 18. Jahrhunderts Hinterglasbilder, um 1820 vermut-lich auch Kunstblumen feilgehalten haben 19). Auf der fränkischenHochebene östlich Walldürns verläuft zwar vom Main her einalter, Böhmerweg" genannter Pilgerpfad. Auf ihm wallten imSpätmittelalter böhmische Wallfahrer zur Kapelle von Ober-wittighausen, die dem in Böhmen hochverehrten heiligen Sigis-mund geweiht ist, und schleppten dabei sogar hussitische Lehrenins Frankenland ein 20). Ob diese Wallfahrer oder spätere Nach-folger von der Sigismundiskapelle auch einen Abstecher hinübernach Walldürn unternahmen, ist jedoch genauso wenig nachzu-weisen, wie die bisweilen geäußerte Annahme, daß die um 1500auf den verschiedensten Wegen aus Süddeutschland, Österreichund Ungarn kommenden und sich in Miltenberg am Main zumZwecke der Weiterfahrt zu Schiff sammelnden Aachenpilger auchdas Heilige Blut im benachbarten Walldürn besucht hätten 21).

Daß indessen zwischen Ost- und Westeueropa zum Teil enge,bisher wenig untersuchte und noch nicht zusammenfassend dar-gestellte Kultbeziehungen bestanden, verdeutlicht auch ein Bei-spiel aus Norddeutschland. Dort war die Hippolyt- Kirche inBlexen, Kreis Wesermarsch, obwohl längst reformiert, noch im18. Jahrhundert Wallfahrtsziel für polnische Pilger, die auf Grundeines Mißverständnisses in Blexen das Grab des in Polen beson-

18) Brückner, a. a. O., S. 138.- Zur Kultausbreitung vgl. S. 138 ff.19) Brückner, a. a. O., S. 82 und 86.

20) Karl Neckermann, Vilchband, eine 5000 Jahre alte Bauern-siedlung im badischen Frankenland, Mannheim 1937, S. 81. GernotUmminger, Die Sankt Achatius- Kapelle in Grünsfeldhausen.( Badische Heimat, 42. Jg., 1962, Heft 1/2, S. 89.)

21) Vgl. Brückner, a. a. O., S. 52.- Über ungarische und böh-mische Pilger auf Zwischenstation in Miltenberg berichtet schon der1487 geb. Johannes Butzbach in seiner Chronika eines fahrendenSchülers", hg. von J. Becker, Regensburg 1869.

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