Ausbreitung eines Kultbildes der Volksreligiosität, auch vor tief-greifenden Volks- und Sprachgrenzen nicht haltmachend, zeich-nete sich dabei ab und warf zugleich ein Licht auf die noch kaumuntersuchten Wechselbeziehungen zwischen der Volksreligiositätin Ost- und in Westeuropa.
Aus Polen waren bisher keinerlei Belege für eine Kenntnisdes Walldürner Blutmirakels oder dessen Verehrung bekannt.Auch unter den Orten, an denen einst sogenannte Blut- oderMirakelbilder gefertigt und insbesondere als Holzschnitte, Kupfer-stiche, Stahlstiche, Spitzenbilder, Aquarellbilder und Lithogra-phien für den Massenbedarf des Walldürner Wallfahrtsmarkteshergestellt wurden, ist keine polnische Stadt genannt. Von solchenBlutbildern, damals von Würzburg geliefert, ist erstmals 1621 inden Walldürner Kirchenrechnungen die Rede; Ende des 17. Jahr-hunderts wurden sie aus Frankfurt am Main sowie aus Antwer-pen bezogen, und zwar vom Pfarramt, das sie bei der Wallfahrtverteilen ließ und damit für eine schnelle Verbreitung des Blut-bildes sorgte 3). Im 18. und 19. Jahrhundert wurden Bilder desHeiligen Blutes von Walldürn dann massenhaft von Händlern aufdem Wallfahrtsmarkt angeboten und kamen aus Aschaffenburg,Würzburg, Bamberg, München, Augsburg, Linz, Prag, Weißen-burg im Elsaß, Einsiedeln und anderen Orten Österreichs undBöhmens 4).
Das erste polnische Blutbild, das 1965 auftauchte und sich nunim Besitz des Österreichischen Museums für Volkskunde befindet,ist in Öl auf Leinen gemalt( 54 × 36 cm) und stammt aus der er-sten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es zeigt auf dunkelbraunemGrund den von elf dornengekrönten Christushäuptern umgebe-nen Gekreuzigten. Der fünfzeilige Text auf dem weiß? abgesetztenSchriftstreifen am unteren Bildrand erklärt das eigenartige Gna-denbild von Waltern" und gibt einen kurzen Bericht der Ent-stehungslegende.( Abb. 1)
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Das Ölbild galt zunächst als einziges Zeugnis für eine pol-nische Verehrung des Walldürner Wunderblutes. Auf Grund wei-terer Nachforschungen gelang es jedoch, weitere Belege beizubrin-gen und vor allem die Vorlage festzustellen, die der Maler des Öl-bildes für seine Darstellung benutzt hat. Es handelt sich dabei umeinen polnischen Gebetszettel, ebenfalls aus der ersten Hälfte des19. Jahrhunderts, der sich in nur einem Exemplar erhalten hat.Das seltene Stück befindet sich im Besitz von Dr. Stefan Wojcie-chowski, Kustos an der Universitätsbibliothek in Lublin/ Ostpolen,
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3) Brückner, a. a. O., S. 76.4) Brückner, a. a. O., S. 77.