Jahrgang 
70 (1967) / N.S. 21
Einzelbild herunterladen
 

Der Spritzmann" saß auf dem städtischen Spritzwagen,der im Sommer, gemächlich von zwei Pferden gezogen, durch diestaubigen Straßen fuhr und Wasser versprühte. Mancher von die-sen Wagen hatte keine Brause, sondern einen langen durchlöcher-ten Metallschlauch, der, von einem Mann hin- und hergeschwenktwurde und ebenfalls staubdämpfendes Naß verspritzte.

Der Mistbauer, der Vorläufer der jetzigen städtischenKehrichtabfuhr( modernes Auto und Koloniakübel). Vor 1900fuhr der Mistmann" noch mit Pferden, erst später mit Auto. EinMann stand auf dem Wagen, ein zweiter reichte die Mistkistelnhinauf, die vor den Häusern standen, mit Asche und Abfällengefüllt. Beim Ausleeren staubte es fürchterlich, polternd kamendie Kistl zurück.

Die Kanalräumer in weißen Anzügen und hohen Stie-feln, pumpten nachts die Senkgruben in den Häusern aus.( Kana-lisierung erst nach 1900, beschlossen 1898).

Der Kartenzwicker" war der Portier am Eingangzum Bahnsteig, er lochte die Fahrkarten der abfahrenden Fahr-gäste und nahm die gebrauchten Karten der Ankommenden beimAusgang ab.

Der Harfenist( Harpfenist), in Mödling um 1900 eineHarfenistin, sang und spielte vor den Häusern oder in den Höfen,auch beim Heurigen.

Böhmische Musikanten, Dudelsackpfeifer, Kochlöffelslowa-ken, Gottscheer, der Mann mit dem Äffchen u. a.( Siehe MelanieWissor Aus dem alten Wiener Neudorf Öst. Zs. für Volks-kunde XIX/ 68/ 1965).

Der Vorbeter auf dem Friedhof bei Beerdigungen.

Die Holzleut", meist aus den enteren Gründen derSchöffelvorstadt, zogen in der wärmeren Jahreszeit fast täglichin die Wälder des Anningerforstes um Bockerl( Föhrenzapfen)und Klaubholz zu holen. Es waren Mütter, Großmütter und Kin-der. Die letzteren zeigten sich oft nicht sehr artig. Beim Rastenverzehrten sie trockenes Brot und Kaffee. Sie liefen bloßfüßig.Die Holzlasten waren oft recht umfangreich. Ein Klaubzettel"mußte beim Forstamt gelöst werden.

Am Donnerstag war schulfrei, da gingen die Buben auchschon am Vormittag Holz klauben. An diesem Tag stand bei derBäckerei Ratz( gegenüber der Spitalskirche) beim Ratz- Bäcken"ein großer tiefer Korb mit Bosniaken" und Laberln für die, Waldbuam. Die sprachen herzhaft zu. Der Chef des HausesRatz paẞte oft auf, daß kein Waldbua zweimal zugriff.

105