Gestalt eines bestimmten Gnadenbildes) in Riffian und Wilten, die sichauf das Jahr 1487( Gefecht der Österreicher gegen die Venezianer beiRavazzone) beziehen; ein Jahrhundert später läßt sich das Votivbild auchals Weihegabe bürgerlicher Kreise nachweisen, und erst gegen Ende des17. Jahrhunderts findet das Votivbild dann Eingang in den bäuerlichenWallfahrtsbrauch; erst von diesem Zeitpunkt an ist es als wirklich volks-tümlich anzusprechen.( Zur Frühgeschichte des Votivbildes vgl. auch dieunveröffentlichte Schaukarte in der Slg. des Österreichischen Museumsfür Volkskunde in Wien„ Geschichte des Votivbildes in Österreich undSüddeutschland. Nach den erhaltenen Zeugnissen vom 14. bis zum Beginndes 17. Jahrhunderts." Entwurf: Leopold Schmidt, 1959). Weiterhingelingt es dem Verf., anhand der Gnadenbilddarstellungen( Kultobjekte)die Kultströmungen des volkstümlichen Wallfahrtswesens heraus-zuarbeiten. Es kommen zur Sprache die Verehrung der zahlenmäßig weitüberwiegenden Mariengnadenbilder, denen gegenüber der wallfahrts-mäßige Kult von Christus- und Kreuzesbildern deutlich zurücktritt. DieBetrachtung der Wallfahrtspatronate verschiedener Heiliger leitet überzu den aufschlußreichen Abschnitten„ Meinung, Bräuche und Andachten"und„ Von der Gesinnung der Stifter", worin die Frage nach den reli-giösen Verhaltensweisen und Intentionen beim Akt der Votivbild-opferung erhoben wird. Die diesbezüglichen Aussagen der Votivbilderbzw. der Votivbildinschriften sind wohl begrenzt, lassen sich aber durchentsprechende Stellen in den Mirakelbüchern, die der Verf. immer wiederheranzuziehen versteht, beträchtlich erweitern. Als zeichenhafte Abbre-viaturen sind die verschiedenen Bildgestalten( Symbole, Gnadenstrahl,Gebärden, Herz, Raum und Landschaft) zu verstehen, die den religiösenGehalt des Votivbildes sinnfällig zum Ausdruck bringen.
Auf das nächste große Kapitel übergehend betont der Verf., daß„ DieVotivbilder als Zeugnisse volkstümlicher Sachgüter" nicht überbewertetwerden sollten. Dieser Vorbehalt trifft zweifellos zu für Sachgruppen,wie bäuerliche Inneneinrichtungen, Möbel, altes Haus- und Arbeitsgerät,die museal gut erfaßt und zumeist auch wissenschaftlich bearbeitet sind.Gewisse Datierungsmöglichkeiten sind jedoch immer gegeben. Vom Verf.anerkannt ist die Bedeutung der Votivbilder für die historische Trachten-kunde. Die Darstellungen der vielen tausend Votanten auf den Votiv-bildern aus drei Jahrhunderten ergeben eine dichte Belegreihe für dieörtlichen Aussonderungen und geschichtlichen Entwicklungsformen dervolkstümlichen Trachten. Die Feststellungen der Beschaffenheit undVeränderungen der Tiroler Männer- und Frauentrachten und ihrerBestandteile während der vergangenen Jahrhunderte sind als ein wich-tiger Beitrag zur regionalen Trachtenforschung zu betrachten.
Für die Bewertung der Votivbilder als Werke der Volkskunst sinddie Angaben des Kap. V„ Die Votivbilder und ihre Maler" wichtig, da esdem Verf. auf Grund sorgfältiger Bildervergleiche und archivalischerNachforschungen gelang, die Namen einer ganzen Reihe von Malerhand-werkern zu erschließen, die in ihrem Umkreis den Bedarf des Volkes angemalten Votivbildern zu decken hatten.
Die mit größter Umsicht und Gründlichkeit angestellte Untersuchungdes Verf. wird ergänzt durch ein erschöpfendes Literaturverzeichnis, indem lediglich der einschlägige Aufsatz von Georg Reitter,„ Die Votiv-tafeln von St. Chrysanten. Religiöse Volkskunstwerke aus einer heimi-schen Wallfahrtskirche"( Bundesrealgymnasium Lienz, Jahresbericht1960/61, S. 7-17, 10 Abb.), nachzutragen wäre, und eine Aufstellung derGnadenbücher der Tiroler Wallfahrtsorte.
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