Jahrgang 
69 (1966) / N.S. 20
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schwung des Krippenwesens in Tirol, Salzburg und Oberösterreichkonnte Niederösterreich nicht Schritt halten. Die Gründe hiefür mögenverschiedener Art gewesen sein.

Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts mehren sich aus in Nieder-österreich die Nachrichten über das einstige Vorhandensein in Kirchen-krippen. Aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts hat sich in Dürn-stein ein ganzjährig aufgestelltes dreiteiliges Krippenszenarium mit derDarstellung der Geburt Jesu, des Kindesmordes und der Flucht nachAgypten erhalten, ein künstlerisch beachtenswertes Werk, das derWerk, das der Werkstätte des Kremser Bildschnitzers Johann Schmidtzugeschrieben wird. Der Weihnachtsbericht der Evangelien hat zu allenZeiten Künstler zu krippenartigen Gestaltungen angeregt; das bewei-sen in Niederösterreich die aus Ton modellierte und kalte bemalteKrippenszene des Bildhauers Johann Georg Dorffmeister von 1772( heute in der Krippensammlung des Bayerischen Nationalmuseums inMünchen), wie auch die in der Art von Biskuitfiguren fein bossierteWachsfigurenkrippe in Deutsch- Altenburg. Gewiß befindet sich noch daund dort in niederösterreichischem Privatbesitz die eine oder andereKrippenschöpfung von künstlerischem Rang. Diese Einzelschöpfungenhaben aber auf das bodenständige volkstümliche Krippenschaffen kei-nen tieferen Einfluß ausgeübt, und als es in der Spätzeit des 19. undam Beginn des 20. Jahrhunderts auch in Niederösterreich zu einemneuen Aufschwung des Krippenwesens kam, hatten daran auswärtigeund einheimische Kräfte ungefähr den gleichen Anteil.

Das nicht sehr klar erfaßbare Hauskrippenwesen Niederösterreichsgipfelte in der sogenannten Groß- Hollensteiner Kapellenkrippe, einerAufsammlung älterer und jüngerer Kastenkrippen und einzelner Krip-penfiguren, die ein passionierter Krippenfreund zusammengetragenhatte. Für den Volkskundler bildet der umfangreiche Anmerkungsteilin Leopold Schmidts Beitrag einen wertvollen, weitausgreifenden Weg-weiser zum gesamten Umkreis des Themas.

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Der Verfasser des Abschnittes über die Wiener Kirchenkrippen,Friedrich Thomek, mußte infolge des völligen Fehlens älterer Denk-mäler der Krippenkunst in Wiener Kirchen zur Aufzählung von Altar-und Wandbildern mit Krippenszenen Zuflucht nehmen. Die aus dem18. Jahrhundert stammende neapolitanische AlabasterkrippeBarmherzigen Brüder sie befindet sich heute im Wiener Diözesan-museum ist eine Holz- Elfenbeinkrippe, eingebaut in einen reichgeschnitzten Glaskasten, während die Krippe bei den Ursulinen in dieGruppe der preziösen, fürstlichen, noch vom Geist der Kunst- und Wun-derkammern berührten Gegenstände privater Devotion gehört und nurmit gewissen Einschränkungen noch zu den Denkmälern der Krippen-kunst gezählt werden kann. Der Verfasser wendet nun sein Haupt-augenmerk den in neuerer Zeit entstandenen Kirchenkrippen zu undkommt noch auf die Pastoralmessen der Wiener Klassik zu sprechen. 1)

1) Dazu ist zu bemerken, daß die große c- moll Messe" nicht derzwölfjährige, sondern der fünfundzwanzigjährige Mozart geschriebenhat( 1782/83). Die zur Einweihung der Waisenhauskirche geschriebeneFestmesse des zwölfjährigen Mozart gilt nach B. Paumgartner undW. Senn als verschollen, falls sie nicht etwa mit der Messe op. 139 zuidentifizieren ist.

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