gründlich aufzuarbeiten. Die reichlich gebotenen Photos und Grund-wie Aufrisse informieren über die Siedlungsformen, über die Kellerund Preẞhäuser, über die Haustypen( wobei der wohlbekannte Haken-hof hier als„ Haustypus mit L- förmigem Grundriß“ erscheint), fernerüber die verschiedenen Dach- und Walmformen. In diesem Zusammen-hang werden zahlreiche Beispiele der hübschen Bemalungen undBeschnitzungen von Giebelverbretterungen vorgeführt. Die ebenfallszahlreichen Seiten- und Vorlauben( gelegentlich um die Ecke von derTraufseite vor den Giebel vorgezogen) muß man sich mehr zusammen-suchen. Die Zierformen sind ebenso behandelt wie die Dachstuhlfor-men. An Einrichtung werden Kachelöfen und Möbel( Brettstühle, Sattel-dachtruhen usw.) gezeigt. Wie einige seiner Vorgänger weist auch Tothauf die spärlich vertretenen Vieleckscheunen des Gebietes hin, dieschon mehrfach richtig mit ihren ostschlesischen Gegenstücken in Ver-bindung gebracht wurden. Besonders ausführlich finden sich die stock-hohen Kastenspeicher behandelt, wozu Toth besonders Gegenstücke aufslowenischem Boden heranzieht. Die nächste Nachbarlandschaft imSüdwesten ist ja das slowenische Übermurgebiet, das die steirischeBauernhaus- Tradition besonders deutlich erhalten hat. Wichtig erscheintschließlich das Kapitel über die sakrale Volksbaukunst, in dem hölzerneKapellen, Glockenstühle, Feldkreuze usw. behandelt werden. Toth istArchitekt und macht sich dementsprechend in den SchlußkapitelnGedanken darüber, inwieweit die alte Holzbauweise, die er so ausführ-lich und liebevoll durchgearbeitet hat, in die moderne Bauwelt über-nommen werden könnte. Er glaubte beispielsweise daran, daß die Häu-ser mit den kleinen Türvorbauten- ähnlich wie in Mörbisch dieAusbildung der modernen Eigenheime beeinflussen könnte, oder daßdie von ihm besonders betonten„ Häuser mit dem langen Krüppelwalm"die Ausbildung des modernen Etagenwohnbaues anregen würden.Sieht man von diesen, an sich selbstverständlich interessanten.Schlußausführungen ab, so handelt es sich jedenfalls um einen gutenBeitrag zur Bauernhausforschung, der für uns, besonders für die bur-genländische und die steirische Volkskunde, wichtig ist. Freilich kannman sich, bei Unkenntnis der ungarischen Sprache, im wesentlichennur anhand der Bilder und mittels des wenig umfangreichen deutschenAuszuges orientieren. Aber die Literaturangaben bezeugen beispiels-weise, daß Toth die gesamte österreichische Hausforschung überhauptnicht kennt. Wozu eigentlich Bünker, Dachler, Haberlandt, Klaar usw.gelebt und gewirkt haben, ist in einem solchen Fall unklar: Kann mandenn nicht einmal in Budapest ihre Arbeiten bekommen, oder ver-schließt man sich dort einfach der Tatsache, daß alle vorliegenden Pro-bleme bei uns längst schon vielfach gesehen, durchgearbeitet wordensind? Wir benützen jede Gelegenheit gern, um besonders aus der-artigen Grenz- und Berührungslandschaften neues Material einzusehenund die gegenwärtigen Interpretationen desselben zur Kenntnis zu neh-men. Das gleiche erschiene uns aber doch auch von der Gegenseite heram Platz.Leopold Schmidt
Istvan Sándor, A Magyar néprajztudomany bibliografiaja 1945-1954.463 Seiten. Budapest 1965, Akademiai Kiado.
Der fleißige und vielseitige Vertreter der Volkskunde legt hiereinen stattlichen Band vor, der als Leistungsschau der ungarischenVolkskunde der ersten Hälfte unseres gegenwärtigen Zeitraumes anzu-sehen ist, also der Periode nach dem zweiten Weltkrieg. Mit 6020 Num-mern umfaßt er eine überaus stattliche Zahl von Erscheinungen; die
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