Jahrgang 
69 (1966) / N.S. 20
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die drängende Fülle des gesichteten Materials, das der Verfasser auchhier ungemein kundig und erfahren zu einem vorzüglichen Überblickabrundet, der schließlich bis in die feinen Einzelheiten des Stuben-dekors und der Vertäfelung und bis zur Geschichte und Entwicklungder wichtigsten Möbel einer hochentwickelten Wohnkultur vordringt.

Im ganzen liegt also eine neue und bewundernswerte Leistung derBauernhaus- und Bauforschung in der Schweiz vor uns. Schon diesererste Band Graubünden übertrifft mit manchen Überraschungen, waswir angesichts der großen Tradition der Schweiz auf diesem Gebieterwarten durften. Er ist jedenfalls anders, als ihn sich der Hausfor-scher zunächst vorgestellt hat. Das Bleibende schlechthin, das Doku-mentarische, die baulichen Tatbestände sind hier jenseits aller ver-gleichenden Deutung und theoretischen Zuordnung für die Forschungbereitgestellt. Dafür muß diese jedenfalls wohl ganz besonders dankbarsein. Die verschiedentlichen Hinweise auf den zweiten Band Grau-bünden, der die Wirtschaftsgebäude und verschiedene Sonderfragen,wie etwa Glauben und Brauch in Verbindung mit dem Haus behandelnwird, lassen uns diesem mit erhöhtem Interesse und mit nur nochgrößerer Spannung entgegensehen.Oskar Moser, Klagenfurt

Antaios. Zeitschrift, herausgegeben von Mircea Eliade und ErnstJünger. Schriftleitung Philipp Wolff- Windegg. Bd. VI,636 Seiten, mehrere Abb. auf Tafeln. Stuttgart 1964/65, Ernst KlettVerlag. DM 28,50.

Der Antaios ist eine Zeitschrift für sich. Als die ersten Hefteerschienen, mußte man sich erst besinnen, was da eigentlich versuchtwurde: Doch nicht mehr und nicht weniger, als eine unabhängige Zeit-schrift für geistig freie Menschen zu schaffen, die den Kopf über denWellen der Nachkriegsmisere und Wirtschaftswundermentalität zuhalten gewillt waren. Die ganz selbständig wußten, um wieviel mehrder Mensch nicht nur vom Brot, sondern in ganz ungeheurem Ausmaßvom Geist und von der Seele lebt, und wußten, daß sich dies in ver-schiedensten Epochen immer manifestiert hatte, und auch in irgend-welchen Formen dies weiterhin tun wird, ob die daran Beteiligten esnun wissen, wahrhaben wollen, zur Kenntnis nehmen, oder nicht.

Kein Programmatiker hat der Zeitschrift jemals vorgeschrieben,was sie veröffentlichen sollte. Und dennoch hat ein gar nicht kleinerKreis sofort das Vertrauen gehabt, durch die hier besprochenen Themenberührt zu werden. Das Vertrauen zu Autoren, die sich gegenseitig fastnie kennen dürften, von denen der eine wohlbestallter Fachmann seinmag, der andere eher ein sinnierender Laie, der dritte sicherlich einDichter, und die dennoch hier nebeneinander zu Wort kommen, frei-lich nur, wenn sie dazu eingeladen werden. Denn um hier mitzuarbei-ten, muß man doch in irgendeiner Form gemustert sein. Man muß sozu-sagen damit einverstanden sein, mit seinem Beitrag neben dem näch-sten zu stehen, der vielleicht von Hamlet handelt, oder über das Mär-chen vom Prinzen Ahmed, oder über anatomische Aspekte der gotischenKathedrale oder auch über die Illusion, die sich mit dem Namen Robin-son Crusoe verbindet. Vermutlich sind alle Beiträger irgendwann ein-mal von Ernst Jünger berührt worden, wahrscheinlich so ähnlich, wieJünger selbst von Alfred Kubin angerührt worden ist. Sie haben ihre Andere Seite erlebt, haben mit Schmerz und Lust vielleicht einenSchlag lang ein Abenteuerliches Herz verspürt, und was sich allesmit diesen paar Andeutungen verbindet.

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