,, Kleidertausches“, die nichts anderes ist als eine Darstellung derAndrogynie. Diese Zeremonie hängt daher mit dem europäischenFrühjahrsfest, der Faschingszeit zusammen: In Indien, Persienund anderen Teilen Asiens steht der rituelle Kleidertausch imVordergrund der Ackerfeiern, in Gegenden Indiens tragen dieMänner während des Festes der Vegetationsgöttin, die androgynist, künstliche Brüste 170) das könnten wir auch in Hüttau er-warten.( Wir erinnern uns, Burschen sind„ Huren“, jene Bur-schen, welche um 1840 in Groß- Gottern bei Langensalza am erstenPfingsttag, in Lindenlaub gehüllt, die„ Schofmeyer" gespielthatten, und darauf, am Pfingstdienstag, den Heischegang( umEier und Schinken) machten, jetzt, zerlumpt, verlarvt, als weib-liche Wesen verkleidet. 171) Weil es sich um eine„ Frau" handelt,könnte man an die archetypische Ideenkette Mond- Frau- Erdedenken. Der Kleidertausch deutet an, daß es um die Ausstrah-lung menschlicher Erotik auf das vegetative Leben geht, es bestehteine mystische Bindung zwischen der Fruchtbarkeit der Erde undder Gebärfähigkeit des Weibes Glossar ::: zum Glossareintrag Weibes. Hier scheint Magie vorzuliegen.Diese dürfte teleologischer Natur sein, eine produzierende Magie,eine Agrarmagie, eine erotisch- agrarische Magie, die die hervor-bringenden Kräfte der Erde fördern und sicherstellen will, alsoein karpogonischer Brauch, eine Beschwörung des Wachstums.Die göttliche Zwei- Einheit wird in biologischer Form ausgedrückt.Man darf sich jedoch nicht durch das Erscheinungsbild diesesAusdrucks täuschen lassen, nicht die mythische Sagensweise inihrem profanen Wortsinn nehmen: Das„ Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib" deutet auf daskosmologische Prinzip, das sich in ihm verkörpert wir wissenjedoch nicht, wie weit der Mann, der in Hüttau Frauenkleidunganlegt, zur„ Frau“ wird, und mit welchen Folgewirkungen: Tritthier ein phallischer Kult auf woran die Schwere der Strafedenken läßt etwa wie beim Kärntner Brechelbrauch, wo einBursch die„ Schmiedin" darstellt, da er sich in Weiberröcke Glossar ::: zum Glossareintrag Weiberröcke steckt,einen Polster oder eine Decke um den Leib bindet, so daß ereiner Schwangeren gleicht? 172) Auf solcher Ebene wirkt jedochkeineswegs, trotz aller realistischen Ausgestaltung und allen, derWirklichkeit entlehnten Zubehörs, die Sagens-, sondern eine
170) J. J. Meyer, Trilogie altindischer Mächte, I, 182 f.
171) Leopold Schmidt, Das deutsche Volksschauspiel. Berlin 1962;S. 148; nach Ingeborg Weber- Kellermann, Laubkönig und Schöf-meier.( Deutsches Jahrbuch für Volkskunde. Band IV. Berlin 1958;S. 366 ff.)
172) Georg Graber, Alte Gebräuche bei der Flachsernte in Kärntenund ihr religionsgeschichtlicher Hintergrund.( Zs. f. österr. Volkskunde.Jg. XVII. Wien 1911; S. 148, 198; vgl. vor allem S. 163.)
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