Jahrgang 
68 (1965) / N.S. 19
Einzelbild herunterladen
 

macht, und dessen Berechtigung Schmolitzky beispielsweise bei seinenForschungen an den Fachwerkbauten der Wartburg erfolgreich vor-getragen hat. Nach dem Hausbau sind die volkskünstlerischen Erzeug-nisse in Holz, Glas, Ton, Stein, Eisen und Textilien behandelt, manch-mal mit einem gewissen Rückgriff auf schon früher gezeigte Stückeund deren Schöpfer. Mit manchen Erscheinungen, beispielsweise aufdem Gebiet der Tracht, wird die Darstellung mehr landschaftlich, mitanderen, beispielsweise bei den alten Rechtswahrzeichen, greift sieweiter in die breitschichtige Traditionswelt hinaus. Die schmückendenElemente der Volkskunst erscheinen betont, rein gestaltliche, wie sie imalten Gerätewesen zum Ausdruck kommen, treten zurück. Der Text istan einigen Stellen zeitgemäß gefärbt.

Leopold Schmidt

Franz Lerner, Aber die Biene nur findet die Süßigkeit. Kleine Kul-turgeschichte des Honigs. 248 Seiten, zahlreiche Abb. im Text und aufTafeln. Düsseldorf 1964, Econ- Verlag.

Das Zitat aus Goethes Neuem Pausias" steht über einem inhalts-reichen, wohlgegliederten Text, der eine ganze Kulturgeschichte undVolkskunde des Honigs zu geben bemüht ist. Lerner hat die reicheLiteratur der Imkerei von Ludwig Armbruster bis Ingeborg Wittichenauszuschöpfen versucht, was angesichts der Ungleichmäßigkeit der For-schung durchaus nicht einfach ist. Die österreichische und schweize-rische Literatur ist ihm wohl weniger zugänglich gewesen, mindestensfinden wir die wichtigen Arbeiten von Bruno Schier wie von MelchiorSooder und von Karl Haiding nicht zitiert. Das Buch versucht sozu-sagen eine Geschichte der Honigverwertung von der Frühzeit überSumerer, Griechen und Römer bis zur Gegenwart zu geben. Das ,, Bie-nenlob der frühen Christen" findet sich ebenso berücksichtigt wie die Zeidlerei in den deutschen Wäldern". Zu den Pfefferkuchen wird man-ches gesagt, beim Met fehlt wieder einiges, so die wichtige Arbeit vonErnst Burgstaller für Oberösterreich. Dafür greift Lerner wiederholtweit über Europa hinaus und bespricht unter Bambuskorb und Bienen-fahnen" die chinesische Bienenzucht, in anderen Kapiteln die Bienen-zucht und Honigverwertung in Afrika und Amerika, was des Verglei-ches wegen nützlich erscheint. Das reiche Kapitel der kultischen undreligiösen Verwendung des Honigs, der Bienenlegenden, des kirch-lichen Wachsgebrauches usw. wird mehrfach angeschnitten. So ergibtsich im ganzen, daß das einer breiteren Leserschaft zugedachte Buchdoch vielseitig ist, und nicht zuletzt durch eine sehr reiche Bebilderungnützlich erscheint. Museen von Celle bis Laibach haben dazu beige-steuert.Leopold Schmidt

Siegmund Musi at, Zur Lebensweise des landwirtschaftlichen Gesindesin der Oberlausitz(= Schriftenreihe des Instituts für sorbische Volks-forschung in Bautzen, Bd. 22) 184 Seiten. Bautzen 1964. VEB Domo-wina- Verlag.

Diese wichtige Arbeit läßt sich zunächst wohl am besten mit denersten Sätzen des Vorwortes über die Zielsetzung der Untersuchung"kennzeichnen: Vorliegende Arbeit untersucht ethnographisch dieLebensweise des zwischen 1835 und 1918 im Bautzener Land dienendenlandwirtschaftlichen Gesindes in bezug auf Wohnung, Nahrung, Klei-dung, Gemeinschaftsleben unter teilweiser Berücksichtigung von Land-

281