Wenn ein Neudorfer zum Fasching Hochzeit hielt, wurde miteinem zweispännigen Leiterwagen von Haus zu Haus gefahren.Die Leute gaben unbrauchbare Möbel und alte Kleider her. Diesalles führte man zum Haus des Hochzeitspaares und warf dortim Hof die Kram herunter. So saß auch einmal inmitten solcherHerrlichkeiten eine alte Katze in einem Turteltaubenkäfig.Eine eigene Note erhielt Neudorf durch seinBrauhaus.
Dieses wurde von der Familie Herzfelder gebaut und wareine große Anlage. Herzfelder betrieb auch Landwirtschaft. Alsin Neudorf die Reblaus Weingärten vernichtete, konnte der Guts-besitzer Gründe wohlfeil erwerben. Die Brauerei beschäftigte biszu 500 Arbeiter. Der Bierausstoß war bedeutend. Besonders be-liebt war das Doppelmalzbier der„ Austria- Brauerei“. Sein Ex-port ging auch nach Ägypten.„ Doppelmalz, Gott erhalts!" sag-ten die Bierliebhaber damals in Wr. Neudorf und Umgebung.Eine Flasche kostete um 1900 12% Kreuzer 25 Heller. In dieUmgebung fuhren täglich zahlreiche Bierwagen, mit Fässern oderFlaschenbierkisterln beladen. Bespannt waren sie mit sehr schö-nen, erstklassig gepflegten Pinzgauer- oder Belgierrössern. Zahl-reiche Fuhrwerker der Umgebung waren zur Versorgung mit Eiseingesetzt. Wochenlang holten sie Blöcke aus den zugefrorenenZiegelofenteichen. Im Hof der Brauerei wurde gegen Blechmar-ken das Deputatbier an die Brauer und Arbeiter ausgegeben.Die Ziegelweiber Glossar ::: zum Glossareintrag Ziegelweiber holten beim Gärführer Hefe zum Brot backen.Um 1 Uhr nachts erfolgte die Abfertigung der Bierführer nachWien. Mit Decken richteten sie sich auf dem Wagen ein Lagerher und schliefen zum Teil während der Fahrt. Bei Inzersdorfwar Finanzkontrolle bzgl. der Verzehrungssteuer und die Bier-menge wurde kontrolliert.
Man erzählt, daß die Bierführer immer Durst hatten, dieFässer anbohrten und mittels Strohhalmen Bier lutschten. InWien verschlossen sie die Löcher in den Fässern mit Holzspänen.
Ob dies wahr ist, bleibe dahingestellt, aber man sagt, dieBierführer seien immer gut aufgelegt gewesen.
Charakteristisch für das Wiener Becken und die Gegend beiWiener Neudorf waren die zahlreichen
Ziegelöfen.
Sie florierten noch um die Jahrhundertwende. IngenieurEmmerich Martony hatte südlich von Wr. Neudorf den erstenRingofen erbaut. 1873 kosteten die handerzeugten österreichi-schen Mauerziegel 90 fl%, nach dem Bankkrach im selben Jahr
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