Davon kann eher beim zweiten Teil des schmalen Buches die Redesein, der sich mit den„ Weinheiligen beschäftigt. Freilich gibt es auchdarüber sehr viel mehr als hier geboten ist, allein Georg Schreibersdiesbezügliche Arbeiten hätten schon viel geboten. So freut man sich,daß wenigstens eine Anzahl von geschnitzten Faßböden aus dem Pfäl-zer Museum in Speyer abgebildet ist, und daß auch Heilige wie Oth-mar oder Theodul in ihren Verbindungen mit der Traube dargestelltsind. Worum es sich bei der als„ Johannes der Täufer, romanisch" be-zeichneten Plastik der Abb. 68 wirklich handeln mag, läßt sich nach derAbbildung schwer sagen. Das Bild des Urbans- Rittes aus dem 16. Jahr-hundert( Abb. 75) begrüßt man dankbar, zeigt es doch einen mehrfachbeschriebenen Brauchritt mit mehreren Teilnehmern, darunter auch denTräger eines großen Festbäumchens. Der Text dazu steht bei FriedrichPanzer, Beitrag zur deutschen Mythologie, Bd. II, München 1855, S. 43 f.Man hätte ihn wohl hier beisetzen sollen, denn so dürfte das Bild allenBetrachtern, die sonst nur geläufige Heiligendarstellungen in dem Buchgesehen haben, als einzigartige Brauchspiel- Verbildlichung unverständ-lich sein.Leopold Schmidt.
Paul Hugger, Werdenberg. Land im Umbruch. Eine volkskundlicheMonographie.(= Schriften der Schweizerischen Gesellschaft für Volks-kunde Bd. 44). Basel, 1964. 193 S., 39 Abb., Wortregister.
Die Volkskundler in der österreichischen Nachbarschaft. be-sonders in Vorarlberg, wenden sich dem neuen Buch von Paul Huggermit großem Interesse zu. Huggers 1961 erschienene volkskundlicheDorfmonographie über die Berggemeinde Amden im Kanton St. Gallenbot schon mannigfache Vergleichspunkte; noch mehr Vergleichsmöglich-keiten vermag nun die neue Ortsuntersuchung des Verf. zu bieten, denndas alte Herrschaftsstädtchen Werdenberg mit seinem kleinräumigenUmland im oberen St. gallischen Rheintal liegt in unmittelbarer Grenz-nachbarschaft zu Liechtenstein und zu Vorarlberg, wo wir es trotz desjahrhundertelangen Bestehens der Staatsgrenzen nicht nur mit sehrverwandten volkskulturellen Überlieferungserscheinungen, sondern inneuester Zeit auch mit denselben Entwicklungstendenzen zu tun haben.
Dieser doppelte Aspekt von Beharrung und Wandel der Volks-kultur in der ostschweizerischen Kleinstlandschaft Werdenberg ergibtdie Gliederung für Huggers Buch: Die beiden Hauptteile des Werkessind der Darstellung des Volkslebens in der zweiten Hälfte des ver-gangenen Jahrhunderts(„ Damals") und der Wandlungen der Gegen-wart( ,, Und heute") gewidmet.
Der Verfasser hat das Beobachtungsfeld für seine zweite Orts-monographie mit Vorbedacht gewählt. Das heutige Werdenberg,das Kerngebiet der aus montfortischen Besitz hervorgegangenen mittel-alterlichen Grafschaft Werdenberg- Heiligenberg mit dem StädtchenWerdenberg und den großen Dörfern Buchs und Grabs- ersteres inder Gegenwart als Grenzstation im internationalen Verkehr von wach-sender Bedeutung- weist nicht nur ein durch die Geschichte- u. a.auch Einführung der Reformation im 16. Jh. geprägtes einheitlichesGefüge auf, sondern läßt auch eine durch die Gebirgslandschaft be-dingte Vielfalt erkennen: Talsiedlungen verschiedener Formen( dashistorische Landstädtchen Werdenberg, die Bauern- und StickerdörferGrabs und Buchs, letzteres mit seinem alten bäuerlichen Teil und dem
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