Jahrgang 
68 (1965) / N.S. 19
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um ein amüsantes Büchlein. Wer will, kann also dies oder den leiden-schaftlichen Konkurrenzkampf der Turnvereine und viele ähnlicheDinge herauslesen. Sie müssen nicht ins Fach Volkskunde passen, dürf-ten aber für Zeit- und Kulturdiagnostiker von größtem Wert sein.

Es gibt aber auch genug an eigentlich volkskundlichem Gut, auchin dieser spätbürgerlichen Welt des versunkenen_19. Jahrhunderts.Orts- und Nachbarschaftsspott etwa, wenn die Konkurrenten denGesangverein Eintracht spöttisch Holzschuhverein" nannten,( S. 107),weil ein großer Teil der Mitglieder in einer Lederfabrik beschäftigt warund angeblich gleich mit den dort bei der Arbeit getragenen Holz-schuhen auch in die Singstunde kam. Oder wenn der Chorverein Ger-mania" jährlich seinem Dirigenten einen Korb mit Ostereiern schenkte( S. 183), und ähnliches mehr. Man könnte, gerade von diesem Gesichts-punkt aus, diese Art der volkskundlichen Betrachtungsweise der neue-sten Zeit sich selbstverständlich vom Vereinswesen auch auf andereGebiete ausgeweitet vorstellen: Die Betriebsgemeinschaften beispiels-weise, die sich durch Feiern und Gesellschaftsfahrten usw. immer mehrzu Vereinigungen ausgestalten, die man nicht mehr mit Bausinger nurals Gruppen, sondern nun doch wieder eher als Gemeinschaften"wird ansprechen müssen. Aber um diese theoretischen, oder gar nurnomenklatorischen Dinge geht es hier nicht. Eine handfeste Disserta-tion hat jedenfalls den Beweis erbracht, daß sich aus dem zunächstspröde erscheinenden Stoff etwas machen läßt, und das erscheint dochals die Hauptsache.Leopold Schmidt.

Hermann Jung, Traubenmadonnen und Weinheilige. 64 Seiten mit80 Abb. auf Kunstdruckpapier. Duisburg 1964, Carl Lange Verlag.DM 14,80.

Der schmale Band mit den vielen Bildern ist das Werk eines Lieb-habers. Eines Sammlers und Weinkenners, der die Darstellungen derHeiligen mit der Traube lang gesammelt hat und hier nun die Fülledes Materials ausbreitet, ohne dabei Anspruch auf besondere Wissen-schaftlichkeit zu erheben. Nach einem kurzen und nicht direkt zumThema führenden Hinweis auf antike Gottheiten mit der Traube stelltJung die lange Reihe von gotischen und frühneuzeitlichen Plastikenund Gemälden der Madonna vor, die ihrem Kind die Traube reicht,oder der umgekehrt von ihrem Kind die Traube vorgewiesen wird usw.Der innige Zusammenhang des Werdens der Darstellung mit der Fron-leichnamssymbolik ist dem Verfasser wahrscheinlich gar nicht bewußtgeworden, das äußerst vielfältige bildhafte Umspielen des Motivesdurch Kult, Brauch, Schauspiel, Graphik usw. tritt ebenso wenig zutagewie die funktionelle Verbindung sehr vieler derartiger Plastiken undBilder als Wallfahrtskultbilder und Zunftheiligtümer. Erst im Bereichder Weinhauer- und Faßbinder- Symbolik werden diese ständig vari-ierten Darstellungen wirklich verständlich. Man muß sich also begnü-gen, hier eine doch sehr große Zahl von sonst wenig bekannten Kunst-werken vor allem aus Deutschland und Österreich dargeboten zu be-kommen, wobei sogar bei der Einbindung wichtiger Stücke wie etwader Zistersdorfer Weintraubenmadonna von Cranach in das Wallfahrts-wesen auf dieses nicht hingewiesen wird. Da wäre dann freilich auchder weitere Hinweis auf Wachsvotive in Traubenform beispielsweisefällig gewesen, also ein Ausgreifen in die eigentlichen Zusammenhängedes Lebens solcher Motive im Volk.

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