Jahrgang 
68 (1965) / N.S. 19
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sen verabreicht werden und eine traditionelle Beschenkung derArmen erfolgt. Und wenn schon nicht wie einst am kaiserlichenHof oder an der Domkirche in Wien gedruckten Specificationen"mit den Namen und dem Alter der zwölf beteiligten Männer,bzw. Frauen aufgelegt werden, so gibt es doch überall eine Stelleoder eine Person, die die Personaldaten registriert und für diepersonelle Kontinuität des Brauches sorgt.

Die erste Komponente des Mariazeller Gründonnerstagsbrau-ches, das heißt sein volksliturgischer Teil, steht also in deutlichemZusammenhang mit einer ganzen Reihe gleicher Erscheinungenin der Steiermark, deren unverkennbar barockes Gepräge schonfestgestellt werden konnte. Man wird somit nicht fehlgehen in derAnnahme, daß der Mariazeller Brauch der Armenfußwaschungam Hohen Donnerstag in seiner volksliturgischen Ausgestaltungder benediktinischen Tradition angehört und von der StammabteiSt. Lambrecht in das Priorat Mariazell übertragen wurde. Wäh-rend der Brauch in Mariazell gegenwärtig noch geübt wird, ister jedoch in St. Lambrecht der Vergessenheit anheimgefallen.

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6. 2. Die spielmäßige Darstellung des LetztenAbendmahles. Für die zweite bedeutende Komponente desMariazeller Gründonnerstagsbrauches, die spielmäßige Darstel-lung des Letzten Abendmahles, ergeben sich dagegen weder in derSteiermark noch in anderen Gegenden, die wie etwa Berchtes-gaden oder Beromünster 19) verwandte Formen der benedikti-nischen Brauchpflege besessen haben oder immer noch besitzen,unmittelbare Parallelen. Wohl aber läßt sich der MariazellerSpielbrauch einer großen Gruppe von textlosen, halbliturgischenSchaubräuchen zur Seite stellen, für die alle die Aufführungsformder, stummen Szene" kennzeichnend ist. Hier sind etwa die Palm-eselumzüge des Palmsonntags( z. B. in Thaur, Tirol, und Puch,Salzburg) 20), das Ölbergspiel( z. B. Franziskanerkirche von Diet-furt, Bayern) 21), die Grablegung Christi am Karfreitag oder derSpielbrauch am Himmelfahrtstag( Tirol) 22) zu erwähnen, in derenMittelpunkt immer die künstlerische Plastik oder die bekleideteGliederfigur einer Christusgestalt steht. In diesen szenischen Dar-19) Rudolf Kriss, Sitte und Brauch im Berchtesgadener Land.Berchtesgaden 1963. S. 104.

Notker Curti, s. Anm. 7.

20) Wolfgang von Pfaundler, St. Romedius.(= SammlungHeilige aus Österreich Bd. 1). Wien- München 1961, S. 35-38.( Lit.)21) Paul Ernst Rattelmüller, Ein bairisch Jahr. München 1962.S. 39. Abb.)

22) Ostern in Tirol. Hg. v. Nikolaus Grass(= Schlern- SchriftenBd. 169) Innsbruck 1957, S. 115–122.

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