Jahrgang 
68 (1965) / N.S. 19
Einzelbild herunterladen
 

breitetes Brauchabschluß- Motiv darstellt. Mehr noch als diesesMoment wird aber letzten Endes die aus der klösterlichen Haus-Liturgie( z. B. Benediktregel Kap. 35 und 53) stammende Übungdes mandatum pauperum für die Abfolge des Brauchgesche-hens bestimmend gewesen sein.

Wie geht nun das Apostelmahl" in Mariazell vor sich?

Zeit. Als Folge der Neuordnung der Karwochenliturgiewird seit 1956 die Abendmahlstafel in den Abendstunden nachAbschluß der kirchlichen Feier, also etwa um 20 Uhr, gehalten.Bis dahin wurde das Apostelmahl" als Mittagessen eingenom-men. Genaue Hinweise auf die Aposteltafel" besitzen wir bisauf das Jahr 1918 zurück; doch konnte 1964 eine 84- jährigeMariazeller Bürgerin Herrn Adolf Murg bezeugen, daß ihresWissens dieses gemeinsame Mahl immer stattgefunden habe.

Ort. Wir konnten schon genaue Auskünfte darüber geben,wo im Verlauf des vergangenen halben Jahrhunderts die Apostel-tafeln am Gründonnerstag errichtet worden sind. Meistens warenes Hoteliers und Gastwirte, die die Apostel" in ihren Häusernbewirteten; jeder Mariazeller Gastbetrieb hat wohl mindestenseinmal die Apostel" bei sich zu Gast gehabt. Diese Gewohnheitwurde lediglich während der drei letzten Kriegs- und des erstenNachkriegsjahres, 1943-1946, durchbrochen, als die damals herr-schenden Umstände die Abhaltung des Apostelmahles" in denRäumen des Pfarrhofes erzwangen.

Für den Gründonnerstagsabend des vergangenen Jahres, den26. März 1964, hatten die Besitzer des Café/ Konditorei Kerner,Wiener Neustädterstraße 8, Herr Franz und Frau Flora Kerner,zwei neu ausgestattete Räume ihres Betriebes, ein Gastzimmerund ein Extrastüberl, ab 18 Uhr sperren lassen, um alle Vorberei-tungen für die abendliche Veranstaltung treffen zu können. ImCaféstüberl wurden einige Tische zu einer langen, geraden Tafelzusammengeschoben, ein kleiner Tisch wurde abseits in einerNische belassen, überzählige Stühle entfernt. Die Aposteltafelwird mit weißem Tischzeug und dreizehn Doppelgedecken in derArt einer Hochzeitstafel" hergerichtet. Die Christusfigur, dieman auf ihrem Sessel über die Straße herbeigeholt hatte, wurdean den herkömmlichen Ehrenplatz gerückt. Die Tische für die,, Apostelführer" im benachbarten Gastzimmer werden nicht be-sonders gedeckt. Damit sind in den Speisezimmern alle Vorberei-tungen für den Einzug der Apostel getroffen.

Es kann vielleicht an dieser Stelle noch vermerkt werden,daß die Aposteltafel" gewissermaßen in geschlossener Gesell-

135