kannt geworden 128). Alle diese Heilerinnen sind meist von gerin-gerer lokaler Bedeutung gewesen. Selbstverständlich gab es vonihrer Art eine weitaus größere Anzahl als die vorgeführten. Siealle dürften mit ziemlicher Sicherheit Bäuerinnen oder zumindestbäuerlicher Abstammung gewesen sein. Dasselbe wird wohl fürdie Ost- und Weststeiermark, wobei eine Heilerin 124) in der öst-lichen und eine 125) andere in der westlichen Steiermark und einedritte 126) in Graz uns näher bekannt ist, gelten dürfen.
Der Vorgang des Besprechens, des Abbetens oderWendens einer Krankheit 127) selbst differiert jeweils mehr oderweniger stark. Trotzdem lassen sich aber gewisse Gemeinsam-keiten aufzeigen.
So werden in jedem Fall die verschiedenen Krankheiten mitvermutlich kürzeren Gebets-, Segens- oder Spruchformeln zu hei-len gesucht 128). Nur in Nr. 4 ist nach unserem Material eine solche,wohl wegen der lückenhaften Nachricht, nicht unmittelbar nach-gewiesen, wenn auch doch anzunehmen. Und gerade diese Tat-sache scheint ganz deutlich darauf hinzuweisen, daß die Heilersolche Formeln immer als wichtigstes und heilkräftigstes Mittelund daher unveräußerliches innerstes Geheimnis betrachtethaben, das nicht wie die übrigen Praktiken so leicht von anderennachgeahmt werden konnte 129). Es ist daher nicht zu verwundern,wenn die Formeln, weil sie eben den Kern der Heilhandlung aus-machten, auch tatsächlich kaum bekannt wurden. Von diesen allenwurde uns nach unserem Material nur überliefert, daß sie vom
123) P. R. Pramberger, Geheimmittel a. a. O., S. 926 f.; Vgl.E. Grabner, Verlorenes Maß und heilkräftiges Messen. Krankheits-forschung und Heilhandlung in der Volksmedizin.( Zeitschrift für Volks-kunde, 60. Jg., Frankfurt a. Main 1964, S. 23 ff.)
124) E. Graɓner, Naturärzte a. a. O., S. 90.
125) Ebd., S. 91.
126) Ebd., S. 91.
127) Vgl. P. R. Pramberger, Geheimmittel a. a. O., S. 928.
128) Vgl. Art.„ Segen" in: O. A. Erich- R. Beitl, Wörterbuch a. a. O ,.S. 692 f.; G. Jungbauer, Deutsche Volksmedizin a. a. O., S. 105 ff., bes.S. 107, Anm. 1, S. 209; H. Fiegl, Das Wenden a. a. O., S. 17, 141 ff.;F. Hälsig, Der Zauberspruch bei den Germanen bis um die Mitte des16. Jahrhunderts. Diss. Leipzig 1910; Karl Helm, Altgermanische Reli-gionsgeschichte, 2. Bd., Die Westgermanen, Heidelberg 1953; O. Eber-mann, Blut- und Wundsegen in ihrer Entwicklung dargestellt(= Palä-stra, Bd. 24), Berlin 1903; Eugen Fehrle, Zauber und Segen, Jena 1926;H. Schmid, Volksmedizinisches a. a. O., S. 44 f., 51 ff., 57.
129) Vgl. A. Kienast, Ueber Volksheilmittel a. a. O., S. 542;P. R. Pramberger, Geheimmittel a. a. O., S. 929; M. Macher, Medi-zinisch- statistische Topografie a. a. O., S. 37.
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