man erwartete, daß letzterer die Krankheit in sich aufnimmt. 28)Die außergewöhnlichen Fähigkeiten einer Bezugsetzung besaßenund besitzen immer nur wenige„ übernatürlich“ begabte Men-schen, in deren Händen diese bis zur Gegenwart als traditionelleKunstfertigkeit gehütet worden sind. 29) Aber auch solche Über-lieferungen drangen zweifellos über einen jeweils engeren Kreisvon Vertrauten hinaus. Dabei konnten die Praktiken selbst so-wohl von„ zünftigen“ Heilern direkt übergeben und daraufhinvon anderen übernommen, oder, wenn sie nicht weiter gegebenund daher nicht ganz verstanden wurden, oft mehr oder wenigervariiert und dann in leichteren Fällen oft auch gläubig bei sichselbst und schließlich auch bei anderen angewendet werden. ImGegensatz zu den Praktiken der Heiler sind diese wirklich aner-kannten Sympathiemittel immer breit gestreuter Volksbesitzgewesen. 30) Und somit ist aber nach dieser Trennung in die all-gemein bekannte Medizin des Volkes und die der Praktiken derHeiler- Persönlichkeiten, weil sie sich gegenüber der Masse dochabschließen, auch der Ausdruck„ Volksmedizin" selbst, was dieGesamtheit der vom Volk angewendeten Heilpraktiken betrifft,in gewissem Sinne irreleitend. Gerade mit diesen schwierigenProblemen, den Gründen und Gesetzen der Übernahme undÜberlieferung im gesamten Komplex der landschaftlichen Ver-breitung, der historischen Dimension und der verschiedenartig-sten soziologischen Aspekte wird sich die zukünftige Forschungbesonders beschäftigen müssen. 31) Vorerst ist es aber noch not-wendig, alle jene Erscheinungen zu beachten, die mit solchenPersönlichkeiten in Beziehung stehen. Sie selbst wurzeln selbst-verständlich in einer gewissen Volkstradition. Man nennt siemeist„ Bauerndoktoren". 32) Und als solche erfreuen sie sich eines
28) Vgl. A. Wuttke, Der deutsche Volksaberglauben der Gegen-wart, Hamburg 1860, S. 83; G. Jungbauer, Deutsche Volksmedizina. a. O., S. 81 f.; K. Reiterer, Volksmedicamente a. a. O., S. 70;P. R. Pramberger, Geheimmittel a. a. O., S. 930; H. Fiegl, DasWenden a. a. O., S. 11 f.; Heinrich Schmid, Volksmedizinisches ausdem Kanton Glarus. Inaugural- Dissertation, Zürich 1924, S. 49 ff.
29) H. Fiegl, Das Wenden a. a. O., S. 76.
30) Vgl. M. Maierbrugger, Sympathiemittel a. a. O., S. 408;H. Fiegl, Das Wenden a. a. O., S. 17, 100, 174 f.; V. Fossel, Volks-medicin a. a. O., S. 23 ff.; P. R. Pramberger, Geheimmittel a. a. O.,S. 930 ff.; H. Schmid, Volksmedizinisches a. a. O., S. 9, 45, 50.
31) Vgl. G. Jungbauer, Deutsche Volksmedizin a. a. O., S. 101 f.;
H. Schmid, Volksmedizinisches a. a. O., S. 7.
32) Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, hg. v. E. Hoff-mann- Krayer und H. Bächtold- Stäubli, Bd. I, Berlin undLeipzig 1927, Sp. 1162 ff.; Arthur Haberlandt, Taschenwörterbuchder Volkskunde Österreichs. Der andere Teil, Wien 1959, S. 14.
7