Jahrgang 
67 (1964) / N.S. 18
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ob der Enns, von den Häusern und den Stuben über die Möbel, diesehr reich vertreten sind, zu den Öfen, Geräten, Keramiken, Zinn-flaschen, ja sogar zu den Hinterglasbildern und Feuersegen. Kislingerinteressieren, wie Lipp das auch ausführt, die Dinge gewissermaßenin ihren geistig- künstlerischen Zusammenhängen.

Die geschnitzten und aufgemalten alten Sinnzeichen, die fast ver-borgenen Mascarons, die Speichertürhütergestalten, also Dinge, die zuguten Teilen in Oberösterreich durch die Forschungen von ErnstBurgstaller erschlossen wurden, finden sich hier herausgezeichnetund damit allgemeiner bekanntgemacht. Die Einwirkungen der jün-geren Forscher der Gegenwart, nicht zuletzt die Auswahl der Gegen-stände, die Lipp für seine großzügige Neuaufstellung der Volkskunde-abteilung im neu eingerichteten Linzer Schloß getroffen hat, sind nichtzu verkennen. Gegenstände aus diesem und aus anderen Museen findensich hier auch abgebildet, auch solche aus Privatsammlungen, diesonst so gut wie nicht erschlossen sind und bei denen wir noch immerauf einen wissenschaftlich ausreichenden Katalog warten. KislingersBuch erfüllt also mehrere Zwecke zugleich und zeigt sich ebenso ange-regt, wie es, schon in den Vorarbeiten, sicherlich auf die Sammler undForscher im Lande Oberösterreich bereits gewirkt hat.

Um wenigstens die volkskünstlerisch aufwendigsten Stücke desreichen Erbes im Lande ob der Enns kennenzulernen, muß man alsoauch nach diesem Band Kislingers greifen. Für viele Freunde derVolkskunst wird er sich als wertvolle Quelle erweisen. Sachlich wäremanches dazu zu sagen, was kritisch klingen müßte. Vor allem ist wohldie Darstellungsart Kislingers nicht nach jedermanns Geschmack.Solange es sich um die detailfreudigen Wiedergaben von Einzelstückenin Vorderansicht handelt, wird man mit den Bildern einverstanden seinkönnen, ja sie manchmal vielleicht Farbphotographien vorziehen, diean sich freilich den größeren Dokumentationswert besitzen. Wenn aber,wie bei Kislinger häufig, Schrägansichten gewählt werden, dann wirkendie angewendeten Perspektiven nicht überzeugend. Fleiß und Genauig-keit ist aber selbstverständlich auch diesen Blättern nicht abzustreiten.

Gewiß, Kislingers Zeichenart verharrt einfach bewußt bei einerHaltung, die ungefähr der von Otto Schwindrazheims DeutscherVolkskunst von 1903 entspricht. Von dort und damals hat er auch dieVorliebe, verschiedene Gegenstände verschiedener Größe zusammenauf ein Blatt zu rücken. Das geht in manchen Fällen noch ganz gut, invielen anderen stört es aber empfindlich, und die zahlreichen Tafelnmit den vielen einander überschneidenden Objekten sind meinerAnsicht nach weder sachlich noch zeichnerisch diskutabel. Es tut einemum den vielen Fleiß leid, um die große Liebe zu den Objekten, diehier ganz deutlich zum Ausdruck kommt: Das Ergebnis ihrer künst-lerischen Anwendung vermag doch in einer großen Zahl von Fällennicht recht zu befriedigen.

So lange es aber an größeren wissenschaftlichen Werken mit wirk-lich zureichendem Abbildungsmaterial für Oberösterreich noch man-gelt, wird man also einstweilen eben doch zu den Bänden von Kislingergreifen müssen. In der Gesamtheit ihres Bildmaterials geben sie docheinen sehr beachtlichen Eindruck von der einstmals vorhandenen Fülledes Volkskunststoffes in diesem altbäuerlichen Land.

Leopold Schmidt

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