22.
Die schlaue habanische Amme in Wien 72). DieHabanerinnen waren beliebte Ammen bei den Herrschaften undwurden gerne auch nach Wien geholt. So diente einst eine jungeHabanerin als Amme bei einem hochgestellten Adeligen amWiener Hof. Einmal wurde ein Fest gegeben, bei dem auch derSprößling herumgezeigt wurde. Als das Fest beendet war, gingauch die Amme mit dem Säugling auf ihr Zimmer zurück. Undals sie gerade das Kind in das Bett legen wollte, bemerkte sie,daß unter dem Bett ein Mann, sicherlich ein Räuber, verstecktwar. Nun was tun? Würde sie nun schreien, könnte sie der Mannsofort umbringen. Doch die schlaue Habanerin machte es anders.Sie legte das Kind behutsam in das Bett und dann zwickte siedas Kind, daß es laut zu schreien begann. Sie zwickte es solange,bis das ganze Haus zusammenlief, um nach der Ursache des fürch-terlichen Schreiens zu sehen. Und so konnte der Räuber, ohne daßer jemandem etwas zu Leide tun konnte, festgenommen werden.
Der Vorfall kam auch dem Kaiser zu Ohren, er ließ die Haba-nerin kommen und wollte die mutige und schlaue Amme für ihreEntschlossenheit belohnen, indem er ihr eine Bitte gewährte. DieHabanerin war auch vor dem Kaiser durchaus nicht verlegen undbat den Herrscher, er möge doch die Habaner von der Militär-dienstpflicht befreien. Der Kaiser erfüllte ihre Bitte und seitdamals mußten die Habaner nicht mehr einrücken.
23.
Die habanischen Naturärzte 7). Die Habanerwaren sehr geschickte Naturärzte. Sie retteten einst dem einzigenSohne des Burgherren von Brantsch, dem jungen Grafen Nyary,das Leben. Aus Dankbarkeit dafür nahm sich Graf Nyary immerihrer an.
24.
Das Heiraten bei den Habanern 74). Die Habanerdurften nicht nach freier Wahl heiraten, sondern jeder mußte dievon den Ältesten der Gemeinde für ihn bestimmte Frau zurGattin nehmen. Wollte der Mann aber auf keinen Fall die ihm
72) Erzählt von Maria Pulmanová, geb. Schultz, 64 Jahre alt, in So-botišt, im Jahre 1963. Aufgezeichnet durch den Verfasser.
78) Aufgezeichnet und übersetzt von Dr. Ovidius Faust, Preßburg,Kartei- Nr. 908. Freundliche Mitteilung.
74) Erzählt von Ladislav Baumgartner, ungef. 75 Jahre alt, in Sobo-tišt. Aufgezeichnet durch den Verfasser.
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